Die Sozialen Grundsätze
angenommen an der Tagung der Zentralkonferenz von Mittel- und
Südeuropa 2005 der Evangelisch-methodistischen Kirche
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Evangelisch-methodistische Kirche Mittel- und Südeuropa
Vorwort
In der United Methodist Church
hat das Anliegen der sozialen Gerechtigkeit eine lange Geschichte. Ihre
Mitglieder haben oft zu kontroversen Themen bezüglich christlicher Grundsätze
offen und ehrlich Stellung bezogen. Die frühen Methodisten haben ihre Ablehnung
des Sklavenhandels, der Schmugglerei und der grausamen Behandlung von Gefangenen
kundgetan.
1908 beschloss die Methodist
Episcopal Church (North) ein soziales Bekenntnis. Innerhalb des folgenden
Jahrzehnts beschlossen die Methodist Episcopal Church (South) und die
Methodist Protestant Church ähnliche Erklärungen. 1946, beim Zusammenschluss
der United Brethren und der Evangelical Church beschloss die
Evangelical United Brethren Church eine soziale Grundsatzerklärung. 1972,
vier Jahre nach dem Zusammenschluss der Methodistischen Kirche mit der
Evangelical United Brethren Church 1968, beschloss die Generalkonferenz der
United Methodist Church eine neue soziale Grundsatzerklärung, die 1976
(und durch jede nachfolgende Generalkonferenz) revidiert wurde. Die sozialen
Grundsätze sind eine von Gebet und Nachdenken getragene Bemühung auf Seiten der
Generalkonferenz, die grossen Themen des Menschen in der gegenwärtigen Welt von
einer soliden biblischen und theologischen Grundlage aus zu behandeln, wie es,
wie die Geschichte zeigt, die Tradition der United Methodists ist. Sie
sind ein Aufruf zur Gewissenhaftigkeit und sollen im besten prophetischen Geist
belehrend und überzeugend wirken; jedoch sind sie nicht Teil des Kirchenrechts.
Die sozialen Grundsätze stellen einen Aufruf an alle Mitglieder der United
Methodist Church dar, einen wohl überlegten, von Gebet begleiteten Dialog in
Glauben und Praxis zu führen, (Siehe Abs. 509.)
Präambel
Wir, die Menschen, die sich United
Methodists nennen, bekräftigen unseren Glauben an Gott, unseren Schöpfer und
Vater, an Jesus Christus, unseren Erlöser, und an den Heiligen Geist, unseren
Leiter und Beschützer.
Wir erkennen unsere totale Abhängigkeit
von Gott in Geburt, Leben, Tod und ewigem Leben an. Sicher in Gottes Liebe
bejahen wir die Güte des Lebens und bekennen unsere zahlreichen Sünden gegen
Gottes Willen für uns, wie wir ihn in Jesus Christus finden. Wir sind nicht
immer treue Haushalter all dessen gewesen, was uns von Gott, dem Schöpfer,
anvertraut worden ist. Wir sind widerwillige Nachfolger Jesu Christi in seiner
Mission gewesen, alle Menschen in eine Gemeinschaft der Liebe zu bringen. Obwohl
wir durch den Heiligen Geist berufen sind, neue Geschöpfe in Christus zu werden,
haben wir uns dem darüber hinausreichenden Ruf widersetzt, in unserem Umgang
miteinander und mit der Erde, auf der wir leben, das Volk Gottes zu werden.
Dankbar für Gottes vergebende Liebe, in
der wir leben und durch die wir gerichtet werden, und unseren Glauben an den
unschätzbaren Wert jedes Einzelnen bekräftigend, erneuern wir unsere
Verpflichtung, treue Zeugen des Evangeliums zu werden, nicht nur bis an die
Enden der Erde, sondern auch bis in die Tiefen unseres gemeinschaftlichen Lebens
und Arbeitens.
160. I. Die natürliche Welt
Alle Schöpfung gehört dem Herrn, und wir
sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie gebrauchen und
missbrauchen. Wasser, Luft, Boden, Bodenschätze, Energiereserven, Pflanzen,
Tiere und der Weltraum sind wert zu achten und zu bewahren, weil sie Gottes
Schöpfung sind und nicht nur, weil sie für den Menschen nützlich sind. Gott hat
uns mit der Haushalterschaft der Schöpfung betraut. Wir sollten diesen
Haushalterpflichten mit liebevoller, aktiver Fürsorge und Respekt nachkommen.
Die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und technischen Entwicklungen haben
uns Menschen zahlenmässig anwachsen lassen und unser Leben verlängert und
bereichert. Jedoch haben diese Entwicklungen zu örtlicher Entlaubung,
dramatischer Ausrottung einzelner Arten, gewaltigem menschlichem Leid,
Überbevölkerung, und Missbrauch und übermässigem Verbrauch von natürlichen und
nicht erneuerbaren Ressourcen - insbesondere durch die Industrieländer -
geführt. Diese anhaltende Handlungsweise gefährdet das natürliche Erbe, das Gott
allen Generationen anvertraut hat. Lasst uns deshalb die Verantwortung der
Kirche und ihrer Mitglieder erkennen und den Veränderungen im wirtschaftlichen,
politischen, sozialen und technischen Lebensstil grosse Priorität einräumen, um
eine ökologisch ausgeglichenere und nachhaltigere Weit zu fördern, was wiederum
zu einer besseren Lebensqualität für Gottes Schöpfung in ihrer Gesamtheit führen
wird.
A) Wasser, Luft, Boden, Bodenschätze, Pflanzen:
Wir unterstützen und fördern eine
Sozialpolitik, die darauf zielt die Schaffung industrieller Nebenprodukte und
Abfall zu vermindern und zu kontrollieren; die sichere Handhabung und Verwahrung
giftigen und nuklearen Abfalls zu ermöglichen und auf die Vermeidung beider
hinzuarbeiten; die Verminderung des Haushaltmülls zu fördern; für angemessene
Wiederverwertung und Deponierung von Haushaltmüll zu sorgen; die Reinigung
verschmutzter Luft, verschmutzten Wassers und verschmutzter Erde zu
unterstützen. Wir rufen auf zur Erhaltung von Wäldern mit alten Baumbeständen
und anderen unersetzbaren Naturschätzen, wie auch zur Erhaltung gefährdeter
Pflanzenarten. Wir unterstützen Massnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung
von natürlichen Ökosystemen. Wir unterstützen Massnahmen, die in der Produktion,
Verarbeitung und Haltbarmachung von Nahrungsmitteln Alternativen zu chemischen
Stoffen entwickeln, und wir drängen sehr auf angemessene Forschung über deren
Wirkungsweisen auf Gottes Schöpfung, bevor sie zum Einsatz kommen. Wir drängen
auf die Entwicklung von internationalen Abkommen bezüglich der gerechten
Verwendung der Ressourcen der Erde zum Nutzen des Menschen, solange die
Integrität der Erde gewahrt ist.
B) Verwendung von Energieressourcen:
Wir bejahen, dass die nichtmenschliche
Schöpfung an sich einen Wert besitzt und unterstützen und fördern deshalb
soziale Massnahmen, die auf eine vernünftige und zurückhaltende Umwandlung von
Teilen der nichtmenschlichen Welt in Energie zum Nutzen des Menschen
ausgerichtet sind und die solche Techniken der Energieproduktion unwichtig oder
überfüssig machen, die die Gesundheit, die Sicherheit und gar die Existenz der
gegenwärtigen und zukünftigen menschlichen und nichtmenschlichen Schöpfung
gefährden. Darüber hinaus drängen wir auf eine kompromisslose Unterstützung des
Energiesparens und der verantwortlichen Entwicklung aller Energieressourcen, mit
einem besonderen Anliegen für die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen, so
dass die Güte der Erde gewahrt sei.
C) Tierisches Leben:
Wir unterstützen Gesetze, die das Leben
und die Gesundheit der Tiere schützen, einschliesslich derer, die die humane
Behandlung von Haustieren, Nutztieren und Tieren, die für Forschungszwecke
verwendet werden, sicher stellen, ebenso wie das schmerzlose Schlachten von
Fleisch liefernden Tieren, Fisch und Geflügel. Wir fördern die Erhaltung aller
Tierarten einschliesslich der vom Aussterben bedrohten.
D) Das Weltall:
Das Universum, ob bekannt oder
unbekannt, ist Gottes Schöpfung und verdient denselben Respekt, den wir der Erde
entgegenbringen sollen.
E) Wissenschaft und Technik:
Wir erkennen die Wissenschaft als eine
legitime Interpretation von Gottes natürlicher Welt an. Wir bejahen die
Gültigkeit der wissenschaftlichen Aussagen in ihrer Beschreibung der natürlichen
Welt, wenngleich wir die Naturwissenschaften davon ausschliessen, autoritative
Aussagen über theologische Themen zu machen. Wir erkennen die Technik als einen
legitimen Gebrauch von Gottes natürlicher Welt an, solange dieser Gebrauch das
menschliche Leben fördert und alle Kinder Gottes in die Lage versetzt, ihr Gott
gegebenes schöpferisches Potenzial zu entwickeln, ohne unsere ethischen
Überzeugungen über die Beziehung des Menschen zur natürlichen Welt zu verletzen.
In Anerkennung der wichtigen Rollen der
Wissenschaft und Technik glauben wir allerdings auch, dass ein theologisches
Verständnis von der menschlichen Erfahrungswelt für ein umfassendes Verständnis
des Ortes, den die Menschheit im Universum einnimmt, von entscheidender
Bedeutung ist. Die Naturwissenschaften und die Theologie schliessen sich nicht
so sehr gegenseitig aus, als sie sich gegenseitig ergänzen. Deshalb ermuntern
wir zum Dialog zwischen den naturwissenschaftlichen und theologischen
Fachbereichen und streben nach der Art des gegenseitigen Teilhabens, die die
Menschheit in die Lage versetzen wird, das Leben auf der Erde zu erhalten und,
durch Gottes Gnade, die Qualität unseres gemeinsamen Lebens zu verbessern.
F) Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln:
Wir unterstützen Massnahmen, die die
Nahrungsmittelversorgung schützen und die das Recht der Allgemeinheit wahren,
die Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel zu kennen, die man isst. Wir rufen nach
strengen Untersuchungen und Kontrollen der biologischen Unbedenklichkeit aller
Nahrungsmittel, die für den menschlichen Verbrauch bestimmt sind. Wir drängen
auf unabhängige Untersuchungen zu chemischen Rückständen in Nahrungsmitteln, und
auf die Entfernung von Nahrungsmitteln vom Markt, die in potentiell gefährlichen
Mengen auf folgende Weise verunreinigt sind: durch Pestizide, Herbizide oder
Fungizide; Rückstände von tierischen Antibiotika, Steroiden oder Hormonen;
verunreinigende Substanzen, die aus Verbrennungsanlagen oder anderen
Industrieanlagen durch die Luft, den Boden oder das Wasser getragen werden. Wir
rufen nach einer deutlichen Kennzeichnung aller verarbeiteten oder veränderten
Nahrungsmittel mit einer obligatorischen Unbedenklichkeitsprüfung, bevor sie auf
den Markt kommen. Wir widersetzen uns einer Lockerung der Normen für organische
Nahrungsmittel. Wir rufen nach Massnahmen, die den schrittweisen Übergang zu
nachhaltiger und organischer Landwirtschaft fördern und unterstützen.
161. II. Die menschliche Gemeinschaft
Die Gemeinschaft bietet das Potential,
Menschen so zu fördern, dass sie die Fülle ihres Menschseins erlangen. Wir
glauben, dass wir Verantwortung tragen, neue Formen der Gemeinschaft
einzuführen, zu unterstützen und zu beurteilen, die die Entwicklung des vollen
Potentials einzelner Menschen fördern. An erster Stelle steht für uns die
biblische Ansicht, dass alle Menschen wichtig sind - weil sie Menschen sind, die
von Gott geschaffen und durch und von Jesus Christus geliebt sind, und nicht
etwa, weil sie sich auf irgendeine Weise ihre Bedeutung verdient hätten. Deshalb
unterstützen wir ein gesellschaftliches Klima, in dem menschliche Gemeinschaften
zum Wohle aller Menschen und deren Wachstums erhalten und gestärkt werden.
Ausserdem ermutigen wir alle einzelnen Personen dazu, durch die Verwendung einer
angemessenen Sprache, wenn von allen Menschen gesprochen wird, Rücksicht auf
andere Menschen zu nehmen. Ausdrucksweisen abfälliger Natur (bezogen auf Rassen,
Nationalitäten, den ethnischen Hintergrund, das Geschlecht, die sexuelle
Orientierung und körperliche Unterschiede) sind kein Ausdruck der gegenseitigen
Wertschätzung und widersprechen dem Evangelium Jesu Christi.
A) Die Familie:
Wir glauben, dass die Familie die
grundlegende menschliche Gemeinschaft darstellt, durch die Menschen in
wechselseitiger Liebe, Verantwortung, Respekt und Treue gefördert und erhalten
werden. Wir bejahen die Wichtigkeit sowohl der Väter als auch der Mütter für
alle Kinder. Wir verstehen die Familie ausserdem so, dass sie eine grössere
Bandbreite an möglichen Formen einschliesst als die Zwei-Generationen-Einheit
von Eltern und Kindern (die Kernfamilie), wozu die weitere Familie, Familien mit
adoptierten Kindern, Alleinerziehende, Familien mit Stiefkindern und kinderlose
Ehepaare zählen. Wir bejahen die gemeinsame Erziehungsverantwortung von Männern
und Frauen und fördern soziale, wirtschaftliche und religiöse Bemühungen,
Beziehungen innerhalb der Familie zu erhalten und zu stärken, so dass jedes
Familienmitglied auf seinem Weg zum vollkommenen Menschsein Unterstützung
erhält.
B) Andere christliche Formen des Zusammenlebens:
Wir achten darüber hinaus die Bewegung,
neue Formen der fördernden Gemeinschaft zu finden, wie z.B. die Koinonia Farms,
bestimmte klösterliche Orden und religiöse Gemeinschaften und andere Arten des
gemeinsamen kirchlichen Lebens. Wir drängen die Kirche, Wege zu suchen, um die
Nöte und Belange solcher christlicher Gruppen zu verstehen und Wege zu finden,
ihnen und durch sie zu dienen.
C) Ehe:
Wir bejahen die Heiligkeit des
Ehebundes, der seinen Ausdruck in Liebe, gegenseitiger Unterstützung,
persönlichem Engagement und beiderseitiger Treue zwischen einem Mann und einer
Frau findet. Wir glauben, dass auf einer solchen Ehe der Segen Gottes ruht, ganz
gleich, ob aus dieser Einheit Kinder hervorgegangen sind oder nicht. Wir lehnen
gesellschaftliche Normen ab, die an Frauen in der Ehe andere Ansprüche stellen
als an Männer. Wir unterstützen Gesetze in der bürgerlichen Gesellschaft, die
die Ehe als die Einheit eines (einzigen) Mannes und einer (einzigen) Frau
definieren.
D) Ehescheidung:
Gottes Plan ist der einer lebenslangen,
treuen Ehe. Die Kirche muss in der Beratung vor und nach der Eheschliessung an
vorderster Front stehen, um starke Ehen zu schaffen und zu bewahren. Wenn jedoch
ein Ehepaar sich so stark entfremdet ist, dass auch nach gründlichem Abwägen und
Beratung alle Versuche der Versöhnung scheitern, ist inmitten dieser
Zerbrochenheit die Scheidung eine bedauernswerte Alternative. Wir sind betrübt
über die verheerenden emotionalen, geistlichen und wirtschaftlichen Folgen einer
Scheidung für alle Beteiligten und sind über die hohen Scheidungsraten sehr
besorgt.
E) Alleinlebende:
Wir bestätigen die Integrität
alleinlebender Personen, und wir lehnen alle diskriminierenden
gesellschaftlichen Praktiken oder gesellschaftlichen Ansichten ab, die Menschen
aufgrund ihres Alleinlebens mit Vorurteilen belasten.
F) Frauen und Männer:
Wir bejahen mit der Bibel das gemeinsame
Menschsein von Männern und Frauen, die beide in den Augen Gottes den gleichen
Wert haben. Wir lehnen die irrige Vorstellung ab, dass ein Geschlecht dem
anderen überlegen sei, dass ein Geschlecht gegen das andere kämpfen müsse, und
dass die Angehörigen des einen Geschlechts nur auf Kosten des anderen Liebe,
Macht und Ansehen empfangen sollten. Insbesondere lehnen wir die Vorstellung ab,
Gott habe die einzelnen Menschen als unvollständige Bruchstücke geschaffen, die
nur in der Einheit mit dem jeweils Anderen zur Ganzheit gelangen. Wir rufen
Frauen und Männer gleichermassen dazu auf, Macht und Kontrolle zu teilen, zu
lernen, frei zu geben und frei zu empfangen, vollständig zu sein und die
Ganzheit anderer zu respektieren. Wir streben für jeden einzelnen Menschen nach
Möglichkeiten und der Freiheit, zu lieben und geliebt zu werden, nach
Gerechtigkeit zu streben und diese zu erhalten, und ethische Selbstbestimmung zu
üben. Wir verstehen die Unterschiedlichkeit unserer Geschlechter als ein
Geschenk von Gott mit dem Ziel, die reiche Vielfalt der menschlichen Erfahrungen
und Sichtweisen weiter zu vergrössern; und wir wehren uns gegen Haltungen und
Traditionen, die diese gute Gabe verwenden könnten, um die Mitglieder des einen
Geschlechts in Beziehungen ungeschützter zu lassen als das andere.
G) Menschliche Sexualität:
Wir erkennen an, dass die Sexualität
Gottes gute Gabe für alle Menschen ist. Wir glauben, dass Menschen nur dann ganz
Mensch sein können, wenn diese Gabe durch sie selbst, durch die Kirche und durch
die Gesellschaft anerkannt und bejaht wird. Wir rufen alle Menschen dazu auf, im
Umgang mit dieser Gabe sich selbst, anderen und der Gesellschaft gegenüber die
disziplinierte und verantwortliche Erfüllung zu suchen. Auch erkennen wir unser
begrenztes Verständnis von dieser komplexen Gabe an und ermutigen die
medizinischen, theologischen und gesellschaftlichen Wissenschaftszweige dazu,
sich mit vereinten Kräften bewusst darum zu bemühen, die menschliche Sexualität
vollständiger zu begreifen. Wir rufen die Kirche dazu auf, in der
Zusammenführung dieser einzelnen Wissenschaftszweige zur Behandlung dieses
höchst komplexen Themas die Führungsrolle zu übernehmen. Darüber hinaus erkennen
wir innerhalb des Kontextes unseres Verständnisses dieser Gabe Gottes an, dass
Gott uns dazu herausfordert, verantwortungsbewusste, engagierte und liebende
Ausdrucksformen zu finden. Zwar sind alle Menschen, ob verheiratet oder nicht,
sexuelle Wesen. Sexuelle Beziehungen werden jedoch nur innerhalb des Ehebundes
klar bejaht. Sex kann sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Ehe
ausbeuterische Formen annehmen. Wir lehnen alle Ausdrucksformen der Sexualität
ab, die das Menschsein, das Gott uns als ein Geburtsrecht gegeben hat,
beschädigen oder zerstören, und wir bejahen nur die Ausdruckformen der
Sexualität, die ebendieses Menschsein fördern. Wir glauben, dass sexuelle
Beziehungen, in denen durch einen oder beide Partner Ausbeutung, Missbrauch oder
Partnerwechsel geschieht, ausserhalb der Parameter des akzeptablen christlichen
Lebenswandels liegen und sich auf die einzelnen Personen, die Familien und die
gesellschaftliche Ordnung letztendlich zerstörend auswirken.
Wir missbilligen alle Formen der
Kommerzialisierung und Ausbeutung der Sexualität mit der daraus folgenden
Abwertung und Entwürdigung der menschlichen Persönlichkeit. Wir rufen nach einer
strengen weltweiten Durchsetzung von Gesetzen, die die sexuelle Ausbeutung oder
Benutzung von Kindern durch Erwachsene verbieten, und wir unterstützen
Bemühungen, die Täter rechtlich und finanziell zur Verantwortung zu ziehen. Wir
rufen nach der Einrichtung von angeschlossenen Schutzeinrichtungen und
Beratungs- und Seelsorgemöglichkeiten für derart missbrauchte Kinder. Wir
bestehen darauf, dass alle Menschen ungeachtet ihres Alters, ihres Geschlechts,
ihres Zivilstandes oder ihrer sexuellen Orientierung das Recht auf die
Gewährleistung ihrer menschlichen und gesellschaftlichen Rechte haben.
Wir erkennen den anhaltenden Bedarf an
Möglichkeiten für eine umfassende, positive, altersgemässe und
situationsgerechte Geschlechtserziehung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Die Kirche bietet eine einmalige Möglichkeit, um in diesem Bereich qualitativ
hochstehende Beratung und Bildung zu leisten.
Homosexuelle sind nicht minder als
heterosexuelle Personen von heiligem Wert. Alle Menschen benötigen den Dienst
und die Leitung der Kirche in ihren Kämpfen um Erfüllung in ihrem Menschsein wie
auch die geistliche und emotionale Fürsorge einer Gemeinschaft, die eine
versöhnende Beziehung zu Gott, zu anderen und zu sich selbst ermöglicht. Die
United Methodist Church duldet keine praktizierte Homosexualität und
betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre. Wir
bejahen, dass alle Menschen an Gottes Gnade teilhaben können, und wir werden
danach streben, in christlicher Gemeinschaft zusammenzuleben. Wir flehen
Familien und Gemeinden an, lesbische und schwule Mitglieder und Freunde nicht
abzulehnen oder zu verurteilen. Wir verpflichten uns zum Dienst an allen
Menschen und mit allen Menschen.
H) Gewalt und Missbrauch in der Familie:
Wir erkennen an, dass Gewalt und
Missbrauch innerhalb der Familie in allen ihren Formen - verbal, psychologisch,
körperlich, sexuell - für den Bund der menschlichen Gemeinschaft schädlich ist.
Wir ermutigen die Kirche dazu, dem Opfer ein sicheres Umfeld, Beratung und
Unterstützung zu bieten. Wir missbilligen die Handlungen des Missbrauchenden,
bestätigen dagegen aber auch, dass diese Person Gottes erlösender Liebe bedarf.
I) Sexuelle Belästigung:
Wir glauben, dass die menschliche
Sexualität Gottes gute Gabe ist. Eine Art des Missbrauchs dieser guten Gabe ist
die sexuelle Belästigung. Wir definieren sexuelle Belästigung als jegliche
ungewollt -verbale oder physische - sexuelle Anspielung, Annäherung oder
Forderung, die von der Person, an die diese gerichtet ist, berechtigterweise als
erniedrigend, einschüchternd oder als Zwang wahrgenommen wird. Sexuelle
Belästigung muss nicht so sehr als ein ausschliesslich sexuelles Problem,
sondern viel mehr als das Ausnutzen einer Machtbeziehung verstanden werden. Zu
sexueller Belästigung gehört - allerdings nicht ausschliesslich - die Schaffung
eines feindlichen oder missbräuchlichen Arbeitsverhältnisses, das sich aus einer
Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ergibt.
Im Gegensatz zu einer fördernden
Gesellschaft schafft sexuelle Belästigung ungehörige, durch Zwang
gekennzeichnete und missbräuchliche Bedingungen, wo immer sie in der
Gesellschaft auftaucht. Sexuelle Belästigung untergräbt das gesellschaftliche
Ziel der Chancengleichheit und das Klima des gegenseitigen Respekts zwischen
Männern und Frauen. Ungewollte sexuelle Annäherung ist falsch und
diskriminierend. Sexuelle Belästigung beeinträchtigt die moralische Mission der
Kirche.
J) Abtreibung:
Der Anfang und das Ende des Lebens sind
die Gott gegebenen Grenzen der menschlichen Existenz. Während die Einzelperson
zu früheren Zeiten immer zu einem gewissen Grad die Kontrolle darüber hatte,
wann sie sterben würde, besitzt sie nun die erstaunliche Macht, zu bestimmen,
wann und sogar ob neue Personen geboren werden. Unser Glaube an die Heiligkeit
des ungeborenen Lebens lässt uns zögern, einer Abtreibung zuzustimmen. Aber wir
sind gewissermassen dazu verpflichtet, die Heiligkeit des Lebens und
Wohlergehens der Mutter zu respektieren, für die eine unerwünschte
Schwangerschaft verheerenden Schaden zur Folge haben kann. In der Tradition der
christlichen Lehre erkennen wir tragische Konflikte von Leben gegen Leben an,
die eine Abtreibung rechtfertigen können, und unterstützen in solchen Fällen die
legale Möglichkeit einer Abtreibung unter angemessenen medizinischen
Bedingungen. Wir können Abtreibungen nicht als akzeptable Form der
Familienplanung bejahen, und wir lehnen sie als Mittel der geschlechtlichen
Selektion bedingungslos ab. Wir widersetzen uns dem Einsatz von
Spätabtreibungen, die als Dilation und Extraktion
partial-birth abortion
bekannt sind, und rufen nach der Beendigung dieser Praxis - es sei denn, das
physische Leben der Mutter steht auf dem Spiel und kein anderes medizinisches
Verfahren ist verfügbar, oder im Falle von schweren Anomalien des Fötus, die für
diesen ein Leben unmöglich machen. Wir rufen alle Christen dazu auf, gründlich
und unter Gebet über die Arten von äusseren Bedingungen zu forschen, die eine
Abtreibung rechtfertigen könnten. Wir verpflichten unsere Kirche dazu, weiterhin
denjenigen, die eine Schwangerschaft abbrechen, die eine Problemschwangerschaft
haben, und denen, die gebären, fördernde Dienste anzubieten. Insbesondere
ermutigen wir die Kirche, die Regierung und die sozialen Dienste dazu, die
Möglichkeit der Adoption zu unterstützen und zu erleichtern. (Siehe Abs. 161.L)
Die staatlichen Gesetze und Regelungen bieten nicht all die Begleitung, die das
informierte christliche Gewissen fordert. Deshalb sollte eine Entscheidung
hinsichtlich einer Abtreibung nur nach gründlicher, von Gebet begleiteter
Prüfung durch die beteiligten Parteien getroffen werden - nach medizinischer,
pastoraler und weiterer angemessener Beratung.
K) Der Dienst an denjenigen, die eine Abtreibung erlebt
haben.
Wir drängen die Pastoren am Ort, dass
sie sich über die Symptome und Verhaltensweisen informieren, die mit psychischen
Probleme nach einer Abtreibung (post-abortion stress) zusammenhängen. Weiterhin
ermutigen wir die 0rtsgemeinden dazu, Informationen über Beratungsdienste
zugänglich zu machen, die für alle Hilfesuchenden Programme für den Umgang mit
post-abortion stress anbieten.
L) Adoption:
Kinder sind eine Gabe Gottes, die
willkommen geheissen und empfangen werden soll. Wir erkennen an, dass manche
Umstände einer Geburt die Erziehung eines Kindes schwierig machen. Wir bejahen
und unterstützen die Kindesmutter (bzw. beide Eltern) in ihrer Entscheidung, das
Kind zur Adoption freizugeben. Wir achten die Qualen, die Stärke und den Mut der
Kindesmutter (bzw. der Eltern), die in Hoffnung, Liebe und Gebet sich dafür
entscheiden, das Kind zur Adoption freizugeben. Darüber hinaus achten wir auch
die Ängste, die Stärke und den Mut derjenigen, die sich dazu entschliessen, in
Hoffnung, Liebe und Gebet für ein Kind sorgen zu können. Wir bejahen und
unterstützen den Wunsch der Adoptiveltern, ein adoptiertes Kind wie ein eigenes,
biologisches Kind grosszuziehen. Wenn die Umstände eine Adoption nahe legen,
unterstützen wir eine rechtlich korrekte Vorgehensweise.
Wenn angemessen und möglich, fördern wir
die offene Adoption, damit ein Kind alle Informationen und Menschen kennen
lernen kann, die mit ihm sowohl medizinisch als auch persönlich in einer
Beziehung stehen. Wir unterstützen und ermutigen zu einem grösseren Bewusstsein
und mehr Bildung, um die Adoption einer grossen Vielfalt von Kindern durch die
Unterbringung in Pflegefamilien, internationale Adoption und häusliche Adoption
zu fördern. Wir empfehlen die biologischen Eltern, die Adoptiveltern und das
Kind der Fürsorge durch die Kirche an, damit Leid geteilt, Freuden gefeiert und
das Kind in einer Gemeinschaft christlicher Liebe aufgezogen werden kann.
M) Die gewissenhafte Pflege sterbender Personen:
Zwar gratulieren wir der medizinischen
Forschung zu allen Bemühungen, Krankheiten zu verhindern, und zu den
Fortschritten in den Behandlungsmethoden, die das sinnvolle Dasein der Menschen
ausdehnen. Wir erkennen aber auch an, dass jedes menschliche Leben letztlich mit
dem Tod endet. Der Tod ist nie ein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hätte,
was auch immer die Umstände des Todes sein mögen. Als Christen müssen wir immer
darauf vorbereitet sein, die Gabe des endlichen Lebens aufzugeben und durch den
Tod und die Auferstehung Jesu Christ die Gabe des ewigen Lebens zu empfangen.
Die Pflege sterbender Personen gehört zu unserer Haushalterschaft des göttlichen
Geschenks des Lebens, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Wir ermutigen
zum Einsatz medizinischer Technik, um am Ende des Lebens palliative Pflege zu
leisten, wenn lebenserhaltende Massnahmen nicht länger die Ziele des Lebens
aufrecht erhalten können und wenn diese an ihre Grenzen gekommen sind. Es gibt
keine moralische oder religiöse Verpflichtung, diese einzusetzen, wenn sie eine
unangemessene Belastung darstellen oder lediglich den Sterbeprozess verlängern.
Sterbende Personen und deren Familien besitzen die Freiheit, eine Behandlung
abzubrechen, wenn diese dem Patienten nicht länger von Nutzen ist.
Wir erkennen die quälenden persönlichen
und moralischen Entscheidungen an, vor denen die Sterbenden, ihre Ärzte, ihre
Familien, ihre Freunde und ihre Glaubensgemeinschaft stehen. Wir drängen darauf,
dass Entscheidungen, vor denen Sterbende stehen, nach gründlichen und von Gebet
begleiteten Überlegungen durch die betroffenen Parteien und mit medizinischer,
pastoraler und weiterer angebrachter Beratung getroffen werden. Wir drängen
weiterhin darauf, dass alle Personen mit ihren Familien, Ärzten und pastoralen
Begleitpersonen ihre Wünsche bezüglich der Pflege an ihrem Lebensende besprechen
und im Voraus Anweisungen hinsichtlich einer solchen Pflege geben, wenn sie
ausser Stande sein werden, diese Entscheidungen selbst zu treffen. Auch wenn man
Unausweichlichkeit des Todes akzeptiert, müssen die Kirche und die Gesellschaft
der sterbenden Person in der harten Vorbereitungszeit auf den Tod dennoch
kontinuierliche Pflege einschliesslich Schmerzlinderung, menschliche
Gesellschaft und Unterstützung und geistliche Nahrung bieten. Wir fördern und
unterstützen, wann immer möglich, das Konzept der Hospizpflege am Ende des
Lebens. Die Pflege endet allerdings nicht mit dem Tod, sondern fährt weiter
durch die Trauerzeit, während der wir für die Trauerfamilien sorgen.
N) Selbstmord:
Wir glauben, dass Selbstmord nicht die
Art und Weise ist, auf die das Leben eines Menschen enden sollte. Selbstmord ist
oft die Folge einer unbehandelten Depression oder von unbehandeltem Schmerz und
Leid. Die Kirche steht in der Verpflichtung, darauf zu achten, dass alle
Menschen in solchen Umständen, die zum Verlust des Selbstwertgefühls, zu
Verzweiflung und Selbstmordgedanken und/oder zu dem Wunsch nach Selbstmord unter
ärztlicher Aufsicht führen, Zugang zur nötigen pastoralen und medizinischen
Versorgung und Therapie haben. Wir ermutigen die Kirche, die erforderliche
Bildung anzubieten, um auf die biblischen, theologischen, gesellschaftlichen und
ethischen Themen einzugehen, die mit Tod und Sterben und auch mit Selbstmord
zusammenhängen. Diese Themen, die Tod und Sterben und auch Selbstmord betreffen,
sollten auch Teil des Lehrplans in den theologischen Ausbildungsstätten der
United Methodist Church sein.
Ein christlicher Standpunkt gegenüber
dem Selbstmord setzt bei der Glaubenszusage an, dass nichts, auch nicht ein
Selbstmord, uns von der Liebe Gottes trennen kann (Römer 8,38-39). Folglich
missbilligen wir die Verurteilung von Menschen, die Selbstmord begehen, und wir
betrachten das Stigma, das so oft der hinterbliebenen Familie und den Freunden
anhaftet, als ungerecht. Wir ermutigen die Pastoren und Glaubensgemeinschaften
dazu, in Predigt und Lehre dieses Thema anzusprechen. Wir drängen die Pastoren
und Glaubensgemeinschaften, den gefährdeten Personen, den Überlebenden, deren
Familien und den Familien, die ein Mitglied durch Selbstmord verloren haben,
pastorale Hilfe anzubieten und darin stets danach zu trachten, das bedrückende
Stigma, das einen Selbstmord umgibt, zu entfernen. Die Kirche lehnt die Hilfe
zum Selbstmord und die Euthanasie ab.
162. III. Die soziale Gemeinschaft
Die Rechte und Privilegien, mit denen
eine Gesellschaft diejenigen ausstattet, aus denen sie besteht, oder die sie von
diesen ausschliesst sind ein Indiz für die relative Wertschätzung, die diese
Gesellschaft bestimmten Personen und Personengruppen entgegenbringt. Wir
bekräftigen, dass alle Personen in den Augen Gottes den gleichen Wert besitzen.
Wir arbeiten deshalb auf eine Gesellschaft hin, in der der Wert eines jeden
Menschen anerkannt, erhalten und gestärkt wird. Wir unterstützen die Grundrechte
aller Menschen auf gleichen Zugang zu Wohnraum, Bildung, Kommunikation, Arbeit,
medizinische Versorgung, Rechtshilfe bei Klagen und Schutz des eigenen Körpers.
Wir missbilligen Handlungen des Hasses oder der Gewalt gegen Personengruppen
aufgrund ihrer Rasse, ihrer Ethnizität, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen
Orientierung, ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrer wirtschaftlichen Stellung.
A) Rechte der Rassen ethnischer Personen:
Rassismus ist die Verbindung von Macht,
die eine Rasse über andere herrschen lässt, und einem Wertsystem, das beinhaltet
dass die herrschende Rasse von Natur aus den anderen überlegen ist. Unter
Rassismus fällt sowohl persönlicher als auch institutioneller Rassismus.
Persönlicher Rassismus zeigt sich in individuellen Äusserungen, Haltungen
und/oder Verhaltensweisen, die die Grundannahmen eines rassistischen Wertsystems
gutheissen und die den Nutzen dieses Systems aufrechterhalten. Institutioneller
Rassismus besteht in der festen gesellschaftlichen Struktur, die implizit oder
explizit das rassistische Wertsystem stützt. Rassismus verseucht und verstümmelt
unser Wachstum in Christus, da er im Gegensatz zum Evangelium steht. Weissen
Menschen werden ungerechterweise Privilegien und Vorteile zugestanden, die
Nichtweissen verweigert werden. Rassismus erzeugt Rassendiskriminierung. Wir
definieren Rassendiskriminierung als die ungleiche Behandlung und das Fehlen
eines kompletten Zugangs zu Ressourcen und Chancen in Kirche und Gesellschaft
die ihren Grund in der Rasse oder Ethnizität haben. Folglich erkennen wir
Rassismus als Sünde und bejahen den Wert aller Menschen in Zeit und Ewigkeit.
Wir freuen uns an den Gaben, die bestimmte ethnische Historien und Kulturen in
unser gesamtes Leben einbringen. Wir begrüssen und unterstützen das
Selbstbewusstsein aller ethnischen Gruppen und unterdrückten Menschen, das sie
dazu bringt, ihre gerechten und gleichen Rechte als Mitglieder der Gesellschaft
einzufordern. Wir bestehen auf der Verpflichtung der Gesellschaft und der
Gruppen innerhalb der Gesellschaft, kompensatorische Massnahmen einzurichten,
die im System verankerten Mechanismen beseitigen, in denen verschiedene Rassen
und Ethnien seit langer Zeit ihrer gesellschaftlichen Rechte beraubt werden.
Weiterhin bejahen wir das Recht der Mitglieder ethnischer Gruppen auf
Chancengleichheit in der Arbeitswelt und auch bei Beförderungen, auf Bildung und
Ausbildung auf höchsten Niveau; auf Nichtdiskriminierung im Wahlrecht; auf
Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und auf den Erwerb oder das Mieten von
Wohnraum; auf Kredite, finanzielle Vorschüsse, Startkapital für Unternehmen und
Versicherungspolicen; und auf Führungs- und Machtpositionen in allen Aspekten
unseres gemeinsamen Lebens. Wir unterstützen Aktionen gegen die Diskriminierung
von Minderheitengruppen ("affirmative action')
als eine Methode, die Ungleichheiten und diskriminierenden Praktiken innerhalb
unserer Kirche und Gesellschaft zu beheben.
B) Rechte religiöser Minderheiten:
Verfolgung aus religiösen Gründen ist in
der Geschichte der Zivilisation fast an der Tagesordnung gewesen. Wir drängen
auf eine Politik und Praxis, die die Rechte jeder Religionsgruppe sichert, ihren
Glauben frei von gesetzlichen, politischen oder wirtschaftlichen Schranken
auszuüben. Wir verurteilen jede offene oder verdeckte Form religiöser
Intoleranz, wobei wir besonders darauf achten, welchen Ausdruck sie in den
stereotypen Präsentationen der Medien finden. Wir bejahen das Recht aller
Religionen und deren Anhänger auf Freiheit von gesetzlicher, wirtschaftlicher
und gesellschaftlicher Diskrimination.
C) Rechte von Kindern:
Kinder galten einst als Besitz ihrer
Eltern, gelten heute aber als vollwertige Menschen mit eigenen Rechten,
allerdings solchen Menschen, denen gegenüber die Erwachsenen und die
Gesellschaft im Allgemeinen besondere Verpflichtungen haben. Folglich
unterstützen wir die Entwicklung von Schulsystemen und innovativen
Erziehungsmethoden, die darauf zielen, jedem Kind zu helfen, seine voll-ständige
Erfüllung als wertvolles Individuum zu finden. Alle Kinder haben das Recht auf
qualitativ hochstehende Bildung, einschliesslich einer umfassenden
Sexualerziehung gemäss ihrem Entwicklungsstand, die in der Lehre die besten
Techniken und Erkenntnisse einsetzt. Christliche Eltern und
Erziehungsberechtigte und die Kirche tragen die Verantwortung dafür,
sicherzustellen, dass Kinder eine Sexualerziehung erhalten, die der christlichen
Moral entspricht, d.h. dass z.B. die eheliche Treue und die Abstinenz
unverheirateter Menschen gelehrt werden. Darüber hinaus haben Kinder genauso wie
Erwachsene das Recht auf Nahrung, Unterkunft, Kleidung, Gesundheitsversorgung
und emotionales Wohlbefinden, und wir bejahen diese Rechte als die ihren,
ungeachtet der Aktivitäten oder Inaktivitäten ihrer Eltern oder
Erziehungsberechtigten. Insbesondere müssen Kinder vor wirtschaftlicher,
körperlicher, emotionaler und sexueller Ausbeutung und Missbrauch geschätzt
werden.
D) Rechte Jugendlicher:
Unsere Gesellschaft wird charakterisiert
durch einen grossen Anteil Jugendlicher, die häufig Schwierigkeiten haben, ihren
Platz in der Gesellschaft zu finden. Deshalb drängen wir auf die Entwicklung von
Massnahmen, die die Miteinbeziehung Jugendlicher in Entscheidungsprozesse
fördern und die Diskrimination und Ausbeutung beseitigen. Kreative und
angemessene Beschäftigung sollte für Jugendliche gesetzlich und gesellschaftlich
verfügbar sein.
E) Rechte alter Menschen:
In einer Gesellschaft die den
Hauptschwerpunkt auf die Jugend legt, sind diejenigen, die alt an Jahren sind,
häufig vom Zentrum der gesellschaftlichen Existenz ausgeschlossen. Wir
unterstützen soziale Massnahmen, die die Alternden in das Leben der
Gesamtgesellschaft integrieren, wozu gehören: ausreichendes Einkommen,
verbesserte und nichtdiskriminierende Beschäftigungsmöglichkeiten, Möglichkeiten
der Bildung und
Dienstleistungen, angemessene medizinische Versorgung und Unterkunft innerhalb
bestehender Gemeinschaften. Wir drängen auf soziale Massnahmen und Programme,
mit einem Schwerpunkt auf die besonderen Belange alter Frauen und
ethnischen Personen, die den Alternden den Respekt und die Würde zusichern, die
ihr gutes Recht als die altehrwürdigen Mitglieder der menschlichen Gesellschaft
sind. Darüber hinaus drängen wir darauf, dass die Arbeitgeber verstärkt auf
angemessene Rentensysteme achten, einschliesslich einer Vorsorge für den
hinterbliebenen Ehepartner.
F) Rechte der Frauen:
Wir bejahen, dass Frauen und Männer in
jedem Aspekt des gesellschaftlichen Lebens gleich sind. Deshalb drängen wir
darauf, dass jede mögliche Anstrengung unternommen werden soll, in den
Aktivitäten und der Darstellung des Familienlebens und in allen Aspekten
ehrenamtlicher und ausgleichender Betätigung in Kirche und Gesellschaft
stereotype Geschlechterrollen zu beseitigen. Wir bejahen das Recht der Frauen
auf Gleichbehandlung in der Arbeitsweit, Verantwortung, Aufstiegschancen und
Kompensation. Wir bejahen die Wichtigkeit der Frauen in verantwortlichen
Positionen auf allen Ebenen der Kirche und Gesellschaft und drängen solche
Organisationen, dass sie durch ihre Beschäftigungspolitik und die Art und Weise
der Stellenausschreibungen deren Gegenwart garantieren. Wir unterstützen
Aktionen gegen die Diskriminierung von Minderheitengruppen
als eine Methode, die Ungleichheiten und diskriminierenden Praktiken innerhalb
unserer Kirche und Gesellschaft anzugehen. Wir drängen die Arbeitgeber von
Personen aus Doppelverdienerhaushalten, sei es in der Kirche oder in der
Gesellschaft, bei der Entscheidung über eine örtliche Versetzung beiden
Beteiligten die nötige Beachtung zu schenken. Wir bejahen das Recht der Frauen,
frei von Gewalt und Missbrauch zu leben, und drängen die Regierungen, Massnahmen
durchzusetzen, die Frauen vor allen Formen der Gewalt und Diskrimination in
allen Bereichen der Gesellschaft schätzen.
G) Rechte Behinderter:
Wir erkennen und bejahen das volle
Menschsein und Personhaftigkeit aller Menschen mit mentalen, körperlichen,
entwicklungsbedingten, neurologischen und psychologischen Störungen oder
Behinderungen als volle Mitglieder der Familie Gottes. Ebenso bejahen wir ihren
rechtmässigen Platz sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft. Wir
bejahen die Verantwortung der Kirche und der Gesellschaft, Kindern, Jugendlichen
und Erwachsenen mit mentalen, körperlichen, entwicklungsbedingten und/oder
psychologischen und neurologischen Störungen oder Behinderungen zu dienen, deren
bestimmte Bedürfnisse in den Bereichen der Mobilität, der Kommunikation, der
intellektuellen Fähigkeiten oder der persönlichen Beziehungen ihre Beteiligung
oder die ihrer Familien am Leben der Kirche und der Gesellschaft zu einer
grösseren Herausforderung machen. Wir drängen die Kirche und die Gesellschaft,
die Gaben von Behinderten zu erkennen und anzunehmen, um es ihnen zu
ermöglichen, vollständig am Leben der Glaubensgemeinschaft teilzunehmen. Wir
rufen die Kirche und die Gesellschaft dazu auf, auf Rehabilitationsmassnahmen,
Dienstleistungen, Beschäftigung, Bildung, angemessene Unterkunft und Mobilität
zu achten und dafür Fürsprache zu leisten. Wir rufen die Kirche und die
Gesellschaft dazu auf, die Rechte von Personen mit Behinderungen aller Art zu
schützen.
H) Gleiche Rechte ungeachtet der sexuellen Orientierung:
Gewisse Grundrechte und Freiheiten des
Menschen gelten allen Menschen. Wir sind der Stärkung dieser Rechte und
Freiheiten für Homosexuelle verpflichtet. Wir sehen darin einen klaren Fall
simpler Gerechtigkeit, dass wir ihre berechtigten Ansprüche schützen, wo sie
materielle Ressourcen, Renten, Erzieherrollen, gegenseitige Vollmachtsurkunden
und weitere solche gesetzlichen Ansprüche gemeinsam nutzen, die typischerweise
mit vertraglichen Beziehungen verbunden sind, zu denen gemeinsame Beiträge,
Verantwortlichkeiten und Verbindlichkeiten und gleicher Schutz vor dem Gesetz
gehören. Darüber hinaus unterstützen wir Bemühungen, Gewalt und andere Formen
der Nötigung gegenüber Schwulen und Lesben zu stoppen. Wir verpflichten uns auch
zu einem gesellschaftlichen Zeugnis gegen die Nötigung und Marginalisierung
ehemaliger Homosexueller.
I) Bevölkerungswachstum:
Zumal die wachsende Weltbevölkerung die
weltweiten Vorräte an Nahrung, Bodenschätzen und Wasser zunehmend belastet und
internationale Spannungen verschärft, sind die Reduzierung der Verbrauchsrate
von Ressourcen durch die Reichen und die Verminderung der gegenwärtigen
Wachstumszahlen der Weltbevölkerung unumgänglich geworden. Menschen sind
verpflichtet, die Auswirkungen ihrer Entscheidungen, Kinder in die Welt zu
setzen, auf die Gesamtbevölkerung der Weit zu beachten, und sollten Zugang zu
Informationen und angemessenen Mitteln (einschliesslich der freiwilligen
Sterilisation) haben, um ihre Fruchtbarkeit einzuschränken. Wir bejahen, dass
Massnahmen für eine stabile Bevölkerungszahl in den Kontext der gesamten
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung gestellt werden sollten,
wozu gehören: eine gerechte Verteilung und Verwendung von Ressourcen; eine
Verbesserung der Stellung der Frau in allen Kulturen; ein humanes Niveau der
wirtschaftlichen Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Alphabetisierung aller
Menschen. Wir widersetzen uns jeder Politik der erzwungenen Abtreibung oder
Sterilisation.
J) Alkohol und andere Drogen:
Wir bejahen unsere vor langer Zeit
eingeführte Unterstützung der Abstinenz von Alkohol als treues Zeugnis für
Gottes befreiende und erlösende Liebe zu allen Menschen. Wir unterstützen die
Abstinenz vom Konsum aller illegalen Drogen. Zumal der Konsum illegaler Drogen,
wie auch der illegale und problematische Alkoholkonsum, in Verbrechen,
Krankheit, Tod und der Zerrüttung von Familien eine Hauptrolle spielt,
unterstützen wir Bildungsmassnahmen und auch andere Präventionsstrategien zur
Förderung der Abstinenz vom Konsum illegaler Drogen und, im Blick auf Personen,
die alkoholische Getränke konsumieren, des vernünftigen Umgangs damit, mit
bewusster und absichtlicher Zurückhaltung und mit der Bibel als Leitfaden.
Millionen lebender Menschen sind Zeugnis für die positiven Folgen des
therapeutischen Drogenkonsums,
während Millionen anderer Menschen Zeugnis sind für die zerstörerischen Folgen
des Drogenmissbrauchs. Wir ermutigen zu einer weisen Vorgehensweise in Bezug auf
die Verfügbarkeit von potentiell der Gesundheit förderlichen oder von potentiell
schädlichen rezeptpflichtigen und nicht rezeptpflichtigen Drogen/Medikamenten;
wir drängen darauf, dass sowohl Ärzten als auch Patienten vollständige
Informationen über ihren Gebrauch und Missbrauch stets in Reichweite sein
sollen. Wir unterstützen die strengen gesetzlichen Vorschriften, die den Verkauf
und die Verbreitung von Alkohol und kontrolliert abzugebenden Sunstanzen
regulieren. Wir unterstützen Vorschriften, die die Gesellschaft vor Konsumenten
von Drogen aller Art (einschliesslich Alkohol) schützen, wenn bewiesen werden
kann, dass hier eine deutliche und gegenwärtig vorhandene Gefahr für die
Gesellschaft besteht. Drogenabhängige Personen und deren Familienmitglieder,
einschliesslich derer, die als alkoholabhängig eingeschätzt oder diagnostiziert
worden sind, sind Personen von unendlichem menschlichen Wert die Behandlung,
Rehabilitation und dauerhafte lebensverändernde Wiederherstellung verdienen.
Falscher Gebrauch oder Missbrauch können auch eine Intervention nötig machen, um
einem Fortschreiten in die Abhängigkeit vorzubeugen. Aufgrund der häufigen engen
Beziehungen zwischen Alkoholmissbrauch und geistiger Krankheit rufen wir die
Gesetzgeber und Verantwortlichen im Gesundheitswesen dazu auf, Drogenabhängigen
eine angemessene Behandlung der geistigen Krankheiten und eine Rehabilitation
möglich zu machen. Wir verpflichten uns dazu, Menschen, die unter Missbrauch
oder Abhängigkeit leiden, und deren Familien Hilfe zu leisten, indem sie durch
Jesus Christus Freiheit finden und indem sie gute Möglichkeiten für eine
Behandlung, für langfristige Beratung und für die Reintegration in die
Gesellschaft finden.
K) Tabak:
Wir bejahen unsere historisch gewachsene
Tradition der hohen Ansprüche an die persönliche Disziplin und gesellschaftliche
Verantwortung. Im Licht der erdrückenden Beweislast, dass das Rauchen und der
anderweitige Genuss von Tabak unabhängig vom Alter eine Gefahr für die
menschliche Gesundheit darstellt, empfehlen wir die totale Abstinenz vom
Tabakgenuss. Wir drängen darauf, dass unsere Bildungs- und
Kommunikationsressourcen dazu eingesetzt werden, eine solche Abstinenz zu
unterstützen und zu fördern. Darüber hinaus erkennen wir die schädliche Wirkung
des Passivrauchens an und unterstützen die Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden
und am Arbeitsplatz.
L) Medizinische Experimente:
Die körperliche und geistige Gesundheit
ist durch die Entdeckungen in der medizinischen Wissenschaft enorm gefördert
worden. Dennoch ist es unumgänglich, dass die Regierungen und die Medizin
sorgfältig die Anforderungen der gegenwärtigen Normen für die medizinische
Forschung anzuwenden und strenge Kontrollen beim Testen neuer Techniken und
Medikamente einhalten, wenn dazu Menschen eingesetzt werden. Die Norm erfordert,
dass in der Forschung nur dann Menschen als Forschungsobjekte eingesetzt werden
dürfen, wenn deren vollständige, vernünftige und nicht erzwungene Einwilligung
vorliegt
M) Gentechnik:
Die Verantwortung der Menschheit Gottes
Schöpfung gegenüber fordert uns dazu heraus, sorgfältig mit den Möglichkeiten
der Genforschung und -technik umzugehen. Wir begrüssen die Verwendung der
Gentechnik in der Lösung grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie Gesundheit,
eine sichere Umwelt und eine angemessene Nahrungsversorgung. Wir widersetzen uns
dem Klonen von Menschen und der genetischen Manipulation des Geschlechts eines
ungeborenen Kindes.
Aufgrund der Auswirkungen der Gentechnik
auf das gesamte Leben rufen wir nach wirksamen Richtlinien und öffentlicher
Verantwortlichkeit um uns gegen jede Handlung abzusichern, die zum Missbrauch
dieser Technologien - auch für politische oder militärische Zwecke - führen
könnte. Wir erkennen, dass der vorsichtige, mit guten Absichten durchgeführte
Einsatz der Gentechnik bisweilen unerwartete schädliche Folgen haben kann.
Eine Gentherapie am Menschen, die
Veränderungen bewirkt, die nicht an die Nachkommen weitergegeben werden können
(somatische Therapie), sollte auf die Linderung der durch Krankheit verursachten
Leiden begrenzt werden. Eine Gentherapie zu eugenischen Zwecken oder eine
solche, die Embryonen als 'Abfall' produziert, ist abzulehnen. Das Genmaterial
einzelner Personen und deren Familien soll streng geheim und vertraulich
aufbewahrt werden, es sei denn, die Person oder deren Familie verzichtet auf die
Geheimhaltung, oder das Sammeln und die Verwendung genetischen Materials zur
Identifikation wird durch eine entsprechende Rechtsprechung gestützt. Da die
langfristigen Auswirkungen noch nicht gesichert sind, verneinen wir eine
Gentherapie, die Veränderungen bewirkt, die an die Nachkommen weitergegeben
werden können (germ-line therapy).
N) Leben auf dem Land:
Wir unterstützen das Recht von Personen
und Familien, als Bauern, Landarbeiter, Kaufleute, Angestellte u. a. ausserhalb
der Städte und Ballungsräume zu wohnen und zu gedeihen. Wir glauben, dass unsere
Kultur verarmt und unsere Menschen eines sinnvollen Lebensstils beraubt werden,
wenn das Leben auf dem Land und in Kleinstädten schwierig oder gar unmöglich
wird. Wir erkennen, dass die Verbesserung dieses Lebensstils manchmal die
Verwendung von Agrarland für nichtlandwirtschaftliche Zwecke erforderlich macht.
Wir widersetzen uns der unterschiedslosen Umwandlung von Agrarland, wenn
gleichzeitig auch nicht landwirtschaftlich genutztes Gelände zur Verfügung
steht. Darüber hinaus fördern wir die Erhaltung geeigneter Flächen für
Landwirtschaft und Parkanlagen durch durchdachte raumplanerische Massnahmen. Wir
unterstützen staatliche und private Massnahmen, die eher auf den Nutzen des
lokalen Bauern als den einer landwirtschaftlichen Grossproduktion ausgerichtet
sind, und Massnahmen, die die Industrie dazu anreizen, sich in nichturbanen
Gegenden anzusiedeln.
Darüber hinaus erkennen wir, dass
verstärkte Mobilität und Technik eine Mischung aus Menschen, Religionen und
Philosophien in einst homogene ländliche Gemeinschaften gebracht haben. Während
dies oft als eine Gefährdung oder als ein Verlust des gemeinschaftlichen Lebens
angesehen wird, begreifen wir es als eine Gelegenheit, den biblischen Ruf nach
Gemeinschaft für alle Menschen hochzuhalten. Darum ermutigen wir ländliche
Gemeinschaften und Einzelpersonen dazu, eine starke Verbindung zur Erde auch zu
erhalten und offen zu sein für: die Stärkung des gegenseitigem
Zugehörigkeitsgefühls, Fürsorge, Heilung und Wachstum; das Teilen und Feiern von
kooperativer Leitung und unterschiedlichen Gaben; die Förderung gegenseitigem
Vertrauens; und die Bestätigung einzelner Personen als einzigartige, wertvolle
Menschen, und damit die Praktizierung des schalom.
0) Nachhaltige Landwirtschaft:
Eine Grundvoraussetzung für die Deckung
des Nahrungsmittelbedarfs der Weltbevölkerung ist ein landwirtschaftliches
System, das nachhaltige Methoden einsetzt, Ökosysteme respektiert und für die
Menschen, die das Land bearbeiten, eine Lebensgrundlage bietet.
Wir unterstützen ein nachhaltiges
landwirtschaftliches System, das die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens erhält
und unterstützt, das die Vielfalt von Flora und Fauna fördert und das sich
regionalen Bedingungen und Strukturen anpasst - ein System, in dem Nutztiere
human behandelt werden und wo deren Lebensbedingungen den natürlichen Systemen
so ähnlich wie möglich sind. Wir streben nach einem effektiven
landwirtschaftlichen System, in dem die Produktion von Pflanzen, Nutztieren und
Geflügel die natürlichen ökologischen Zyklen aufrecht erhält, Energie spart und
das Zufügen von chemischen Stoffen auf ein Minimum beschränkt.
Eine nachhaltige Landwirtschaft
erfordert eine globale Beurteilung der Auswirkungen der Landwirtschaft auf die
Produktion von Nahrungsmitteln und Rohmaterialien, die Erhaltung von tierischen
Rassen und Pflanzenunterarten, und die Erhaltung und Entwicklung der
kultivierten Landschaft.
Der Welthandel mit landwirtschaftlichen
Produkten muss auf fairem Handel und fairen Preisen basieren, auf der Basis der
Kosten nachhaltiger Produktionsmethoden, und muss die realen Kosten des
ökologischen Schadens mit einbeziehen. Die erforderlichen technischen und
biologischen Entwicklungen sind diejenigen, die Nachhaltigkeit unterstützen und
die ökologischen Folgen mit berücksichtigen.
P) Urbanes - suburbanes Leben:
Das urbane/suburbane Leben ist für immer
mehr Menschen zu einem vorherrschenden Lebensstil geworden. Für viele bietet
dieser wirtschaftliche, schulische, gesellschaftliche und kulturelle Chancen.
Für andere bringt er Entfremdung, Armut und Entpersonalisierung. Wir in der
Kirche haben die Chance und die Verantwortung, die Zukunft des
urbanen/suburbanen Lebens mitzugestalten. Massive Massnahmen der Erneuerung und
Sozialplanung sind nötig, um ein grösseres Mass an Humanisierung in den
urbanen/suburbanen Lebensstil zu bringen. Christen müssen alte Massnahmen
einschliesslich der wirtschaftlichen und kommunalen Entwicklung, der Planung
neuer Städte und der Stadterneuerung daran beurteilen, in welchem Mass sie
menschliche Werte schützen und fördern, persönliches und politisches Engagement
gestatten und ein nachbarschaftliches Miteinander ermöglichen, das Menschen
aller Rassen, jedes Alters und jedes Einkommensstandes offen steht. Wir bejahen
die Bemühungen aller Städteplaner, die menschliche Werte ins Zentrum Ihrer
Planungen stellen. Wir müssen dabei helfen, die urbane/suburbane Entwicklung so
zu gestalten, dass sie dem menschlichen Bedürfnis nach Identifikation und
Sinnfindung in kleineren sozialen Gemeinschaften Sorge trägt. Gleichzeitig
müssen solche kleineren Gemeinschaften dazu ermutigt werden, in der
urbanen/suburbanen Gesamtgemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, anstatt sich
davon zu isolieren.
Q) Gewalt in den Medien und christliche Werte:
Der beispiellose Einfluss, den die
Medien (insbesondere Film und Fernsehen) auf christliche und menschliche Werte
innerhalb unserer Gesellschaft haben, wird mit jedem Tag deutlicher. Wir drücken
unsere Abscheu aus gegenüber der gegenwärtigen übermässigen Beschäftigung der
Medien mit entwürdigenden Darstellungen des Menschen, die durch
"Unterhaltungssendungen" und "Nachrichten" der Massenmedien sensationalisiert
werden. Diese Praxis entwürdigt die Menschheit und verletzt die Lehren Christi
und der Bibel.
Gemeinsam mit den Vertretern anderer
Glaubensrichtungen muss auch den United Methodists bewusst werden, dass
die Massenmedien oft die Wahrheiten des Christentums untergraben, indem sie
einen permissiven Lebensstil anpreisen und Gewaltakte detailliert und
anschaulich darstellen. Anstatt ihr Publikum dazu zu ermutigen, zu motivieren
und zu inspirieren, einen Lebensstil zu übernehmen, der auf der Heiligkeit allen
Lebens gründet, spricht die Unterhaltungsindustrie sich oft für das Gegenteil
aus, indem sie ein zynisches Bild von Gewalt, Missbrauch, Gier und Gottlosigkeit
und eine ständige Verunglimpfung der Familie vermitteln. Die Medien müssen für
die Rolle zur Verantwortung gezogen werden, die sie in der Entwertung der Werte
spielen, die wir in der heutigen Gesellschaft beobachten. Viele Menschen, die in
der Medienbranche arbeiten, umgehen dieses Thema, indem sie sagen, dass sie die
Gesellschaft eher reflektieren, als dass sie sie beeinflussen. Um unserer
menschlichen Familie willen müssen Christen durch folgende Aktionen
zusammenarbeiten, um dieser Erosion moralischer und ethischer Werte in der
Weltgemeinschaft Einhalt zu gebieten:
1) durch die Ermutigung der
Ortsgemeinden, die elterliche Verantwortung zu unterstützen und dazu zu
ermutigen, die Seh- und Hörgewohnheiten ihrer Kinder bezüglich Fernsehen, Kino,
Radio und Internet zu überwachen,
2) durch die Ermutigung der
Ortsgemeinden, der Eltern und einzelner Personen, ihren Widerstand gegen die
unverlangte Darstellung von Gewalt und sexuellen Inhalten auszudrücken, indem
sie an die Medienanstalten, die sie senden, und die Unternehmen schreiben, die
diese unterstützen,
3) durch die Ermutigung von
Einzelpersonen, ihren Widerstand gegen die Sponsorfirmen dadurch Ausdruck zu
verleihen, dass sie vergleichbare Produkte von anderen Firmen auswählen und
kaufen.
R) Informations- und Kommunikationstechnik
Weil die effektive persönliche
Kommunikation ein Schlüssel dazu ist, ein verantwortliches und fähiges Mitglied
der Gesellschaft zu sein, und aufgrund der Macht, die Informations- und
Kommunikationstechnik besitzt, die Gesellschaft zu gestalten und einzelne
Personen dazu zu befähigen, umfassender daran teilzunehmen, glauben wir, dass
der Zugang zu dieser Technik ein Grundrecht ist.
Informations- und Kommunikationstechnik
versorgt uns mit Information, Unterhaltung und einer Stimme in der Gesellschaft.
Diese können dazu verwendet werden, unsere Lebensqualität zu verbessern, und
verleihen uns ein Mittel, um miteinander, mit unserer Regierung und Menschen und
Kulturen auf der ganzen Weit zu interagieren. Die meiste Information über
Ereignisse auf der Welt erreicht uns über Antenne, Kabel, Printmedien und das
Internet. Die Konzentration der Aufsicht über die Medien auf grosse kommerzielle
Interessengruppen engt unsere Auswahl ein und bietet oft ein verzerrtes Bild
menschlicher Werte. Deshalb unterstützen wir die Regulierung der Medien- und
Kommunikationstechnik, um eine Vielfalt an unabhängigen Informationsquellen zu
sichern und damit für das öffentliche Wohl zu sorgen. Persönliche
Kommunikationstechnik wie z.B. das Internet erlaubt es Menschen, miteinander zu
kommunizieren und zu riesigen Informationsquellen Zugang zu haben, die von
kommerziellem, kulturellem, politischem und persönlichem Wert sind. Das Internet
kann wohl dazu eingesetzt werden, um Kinder und Erwachsene für Geist und Seele
Nahrung zu geben, es steht aber auch in der Gefahr, von kommerziellen Interessen
überlaufen zu werden, und wird von manchen Menschen dazu benutzt unerlaubtes und
illegales Material zu veröffentlichen. Deshalb muss das Internet in
verantwortlicher Weise gehandhabt werden, um seinen Nutzen zu maximieren,
während seine Risiken, besonders für Kinder, minimiert werden müssen. Die
Zugangsverweigerung zu der grundlegenden Informations- und Kommunikationstechnik
wie das Internet aus Kostengründen oder mangelnder Verfügbarkeit beschneidet die
Menschen in der heutigen Welt in ihren Möglichkeiten, an Staat und Gesellschaft
teilzuhaben. Wir unterstützen das Ziel eines weltweiten Zugangs zu Telefon- und
Internetdiensten zu einem erschwinglichen Preis.
S) Menschen mit HIV und AIDS:
Menschen, die HIV-positiv getestet sind
oder bei denen AIDS diagnostiziert wurde, erfahren oft Ablehnung bei Familie und
Freunden und unterschiedlichen Gruppen, innerhalb derer sie arbeiten und
interagieren. Darüber hinaus erleben sie oft einen Mangel an angemessener
Gesundheitsversorgung, insbesondere gegen Ende ihres Lebens. Alle Menschen, die
mit HIV und AIDS leben, sollen mit Würde und Respekt behandelt werden. Wir
bejahen die Verantwortung der Kirche, diesen Menschen und ihren Familien zu
dienen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, ungeachtet der Frage, wie sie sich die
Krankheit zugezogen haben. Wir unterstützen ihre Rechte auf Arbeit, angemessene
medizinische Versorgung, volle Teilnahme an staatlicher Bildung und volle
Teilnahme am Gemeindeleben.
Wir drängen die Kirche, sich durch
Bildungsangebote für die Gemeinde und die soziale Umgebung aktiv an der
AIDS-Prävention zu beteiligen. Die Kirche sollte für Beratung und Seelsorge an
den Betroffenen und deren Familien zur Verfügung stehen.
T) Recht auf Gesundheitsversorgung:
Gesundheit ist ein Zustand des
körperlichen, geistigen, sozialen und geistlichen Wohlergehens, und wir
betrachten diesen als eine sowohl öffentliche als auch private Verantwortung.
Gesundheitsversorgung ist ein menschliches Grundrecht. Psalm 146 spricht von dem
Gott, "der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset.
Der Herr macht die Gefangenen frei. Der Herr macht die Blinden sehend." Das
Recht auf Gesundheitsversorgung schliesst auch die Fürsorge für Menschen mit
ein, die an Hirnkrankheiten, neurologischen Störungen oder körperlichen
Behinderungen leiden und denen derselbe Zugang zur Gesundheitsversorgung
ermöglicht werden muss wie allen anderen Menschen in unserem sozialen Umfeld. Es
ist ungerecht, Hindernisse zum körperlichen oder geistigen Wohlbefinden oder zur
vollen Teilnahme an der Gesellschaft aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.
Wir ermutigen den Einzelnen zu einem
gesunden Lebensstil und bejahen die Wichtigkeit der präventiven
Gesundheitsversorgung, der Gesundheitserziehung, der Sicherheit in der Umwelt
und am Arbeitsplatz, einer guten Ernährung und eines sicheren, erschwinglichen
Wohnraums für den Erhalt einer guten Gesundheit. Wir erkennen auch die Rolle des
Staats an in der Sicherung des Zugangs jedes Menschen zu den Stoffen, die für
eine gute Gesundheit notwendig sind. Länder, die vor einer allgemeinen
Gesundheitskrise, z.B. HIV/AIDS, stehen, müssen Zugang zu genetischen und
patentierten Medikamenten haben, ohne gegen die Patent- bzw. Lizenzrechte eines
pharmazeutischen Unternehmens zu verstossen. Wir bejahen das Recht aller Männer
und Frauen auf Zugang zu umfassenden Informationen bezüglich Fortpflanzung und
Familienplanung und auf Angebote, die als Hilfsmittel dienen, um ungewollte
Schwangerschaften zu verhindern, Abtreibungen zu reduzieren und die Ausbreitung
von HIV/AIDS zu verhindern.
U) Organtransplantation und Organspende:
Wir glauben, dass Organtransplantationen
und Organspenden Akte der Nächstenliebe, der helfenden Liebe und der
Selbstaufopferung sind. Wir erkennen den lebensspendenden Nutzen von Organ- und
anderen Gewebespenden an und ermutigen alle gläubigen Menschen dazu, als Teil
ihrer Liebe und Fürsorge für Bedürftige Organspender zu werden. Wir drängen
darauf, dass dies in einer Umgebung des Respekts gegenüber verstorbenen und
lebenden Spendern und zum Nutzen der Empfänger geschieht und dass es festen
Regeln folgt, die den Missbrauch durch Spender und deren Familien sorgfältig
verhindern.
163. IV. Die wirtschaftliche Gemeinschaft
Wir gehen davon aus, dass alle
wirtschaftlichen Systeme, nicht anders als andere Facetten der
Schöpfungsordnung, unter Gottes Gericht stehen. Deshalb erkennen wir die
Verantwortung der Regierungen an, eine gesunde Finanz- und Geldpolitik zu
entwickeln und durchzuführen, die für das wirtschaftliche Leben von
Einzelpersonen und von Firmen sorgt, und die Vollbeschäftigung und ein
angemessenes Einkommen mit einem Minimum an Inflation sichert. Wir glauben, dass
private und staatliche Wirtschaftsunternehmen für die sozialen Kosten der
Wirtschaft, wie z.B. Beschäftigung und Umweltverschmutzung, verantwortlich sind
und dass sie für diese Kosten zur Verantwortung gezogen werden sollen. Wir
unterstützen Massnahmen, die die Konzentration des Reichtums in den Händen
weniger Menschen vermindern. Darüber hinaus unterstützen wir Bemühungen,
Steuerstrukturen zu überprüfen und staatliche Unterstützungsmassnahmen zu
beseitigen, die zur Zeit auf Kosten anderer Menschen die Reichen begünstigen.
A) Eigentum:
Wir glauben, dass der private Besitz von
Eigentum eine Treuhänderschaft unter Gott darstellt, sowohl in den
Gesellschaftsordnungen, wo dazu ermutigt wird, als auch in denen, in denen er
unerwünscht ist, aber durch die vorrangigen Bedürfnisse der Gesellschaft
begrenzt wird. Wir glauben, dass der christliche Glaube jeder Person oder
Personengruppe die ausschliessliche und willkürliche Kontrolle über irgendeinen
anderen Teil des geschaffenen Universums verweigert. Der gesellschaftlich und
kulturell vorgegebene Besitz von Eigentum ist folglich als eine Verantwortung
Gott gegenüber zu betrachten. Wir glauben deshalb, dass die Regierungen die
Verantwortung tragen, in ihrem Streben nach Gerechtigkeit und Ordnung unter dem
Gesetz für Regelungen zu sorgen, die die Rechte der Gesellschaft als Ganzes wie
auch die der Privateigentümer schützen.
B) Tarifverhandlungen:
Wir unterstützen das Recht der
Arbeitnehmenden in staatlichen und privaten Einrichtungen (einschliesslich
solchen in der Landwirtschaft, in der Regierung, in Institutionen und in
Privathaushalten) und deren Arbeitgeber, sich zwecks Tarifverhandlungen in
Gewerkschaften und anderen Gruppen ihrer Wahl zu organisieren. Darüber hinaus
unterstützen wir das Recht beider Parteien, dabei geschätzt zu sein, und ihre
Verantwortung, in gutem Glauben innerhalb des Rahmens des öffentlichen
Interesses zu verhandeln. Damit die Rechte aller Mitglieder der Gesellschaft
erhalten und gefördert werden, unterstützen wir einen Ablauf der
Tarifverhandlungen, der Repräsentanten des öffentlichen Interesses an den
Verhandlungen und dem Abschluss von Tarifverträgen beteiligt und der auch Formen
der gerichtlichen Lösung vorsieht. Wir lehnen den Einsatz von Gewalt während
Tarifverhandlungen oder jeglichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitern
und Arbeitgebern bei beiden Parteien ab. Gleichermassen lehnen wir die
permanente Entlassung von Arbeitern ab, die sich an einem rechtmässigen Streik
beteiligt haben.
C) Arbeit und Freizeit:
Jede Person hat das Recht auf Arbeit zu
einem Lohn, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Da, wo der
private Sektor nicht Arbeit für alle Menschen bietet/bieten kann, die Arbeit
suchen und brauchen, liegt die Verantwortung bei der Regierung, für die
Schaffung solcher Arbeitsplätze zu sorgen. Wir unterstützen soziale Massnahmen,
die die körperliche und geistige Sicherheit von Arbeitnehmern sichern, die für
die gerechte Verteilung von Produkten und Dienstleistungen sorgen und die zu
wachsender Freiheit in der Art und Weise ermutigen, wie Einzelne ihre Freizeit
verbringen. Wir erkennen die Möglichkeiten an, die die Freizeit für kreative
Beiträge zur Gesellschaft bietet und wir fördern Methoden, die Arbeitnehmern
zusätzliche Zeit zur freien Verfügung erlaubt. Wir unterstützen
Betätigungsfelder in Bildung, Kultur und Entspannung, die die sinnvolle
Verwendung dieser Zeit fördern. Wir glauben, dass der Mensch Vorrang vor dem
Profit hat Wir missbilligen den selbstsüchtigen Geist der oft unser
wirtschaftliches Leben durchdringt. Wir unterstützen Massnahmen, die den
Austausch von Gedanken am Arbeitsplatz und eine kooperative und kollektive
Arbeitsorganisation fördern. Wir unterstützen die Rechte von Arbeitnehmern auf
die Weigerung, in einer Umgebung zu arbeiten, die ihre Gesundheit und/oder ihr
Leben gefährdet, ohne dass sie dadurch ihre Anstellung riskieren. Wir
unterstützen Massnahmen, die die steigende Tendenz der Konzentration der
Wirtschaft und Industrie in Monopolen umkehren.
D) Konsum:
Verbraucher sollten ihre
Wirtschaftskraft dahingehend nutzen, die Herstellung von Gütern zu fördern, die
für die Menschheit notwendig und nützlich sind, während sie die Entweihung der
Umwelt in Herstellung und Verbrauch meiden sollten. Verbraucher sollten den Kauf
von Produkten meiden, die in einer Situation hergestellt wurden, wo Arbeiter
aufgrund ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer wirtschaftlichen Stellung
ausgebeutet werden.
Und während die begrenzten
Möglichkeiten, die Verbrauchern offen stehen, dies ausserordentlich schwer
machen, ist dennoch der Kauf von Produkten mit dem Fair-Trade-Siegel ein
sicherer Weg, auf dem Verbraucher ihre Kaufkraft einsetzen können, um einen
Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Die internationalen Normen des Fair-Trade
gründen auf der Sicherung von ausreichenden Löhnen für Kleinbauern und deren
Familien, auf der Arbeit mit demokratisch organisierten landwirtschaftlichen
Kooperativen, auf den Verzicht auf Zwischenhändler, damit der Nutzen und Profit
aus dem Handel tatsächlich die Bauern und deren Umfeld erreicht, auf die
Bereitstellung von lebenswichtigen Vorschüssen und Krediten und auf die
Förderung ökologisch nachhaltiger Produktionsmethoden. Verbraucher sollten nicht
nur Firmen wählen, deren Produktlinien ein starkes Engagement für diese Normen
offenbaren, sondern sollten auch weitere Firmen zu einer stärkeren Beteiligung
am Fair-Trade Handel ermuntern.
Verbraucher sollten ihren Verbrauch von
Gütern und Dienstleistungen statt im Licht des Bedarfs an unbegrenzter
Produktion materieller Güter vielmehr Im Licht des Bedarfs an verbesserter
Lebensqualität bewerten. Wir rufen die Verbraucher einschliesslich der
Ortsgemeinden und kirchennahen Einrichtungen auf, das Erreichen dieser Ziele zu
organisieren und ihre Unzufriedenheit mit schädlichen wirtschaftlichen, sozialen
oder ökologischen Verfahrensweisen durch angemessene Methoden kundzutun wie z.B.
Boykott, Briefe, gemeinsame Erklärungen und Anzeigen. Diese Methoden können z.B.
angewandt werden, um Fernsehen und Radio zum Besseren hin zu beeinflussen.
E) Armut:
Trotz des allgemeinen Wohlstands in den
Industrienationen lebt die Mehrheit der Weitbevölkerung in Armut. Um für
Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Obdach, Bildung, Gesundheitsversorgung
und andere Notwendigkeiten zu sorgen, müssen Wege gefunden werden, um die
Ressourcen der Welt gerechter zu verteilen. Wachsende Technisierung, begleitet
von ausbeuterischen Wirtschaftspraktiken, lässt viele Menschen verarmen und
erzeugt einen sich ständig wiederholenden Kreislauf der Armut. Deshalb machen
wir Arme nicht für ihre wirtschaftliche Situation moralisch verantwortlich. Um
zu beginnen, die Armut zu lindem, unterstützen wir unter anderem folgende
Massnahmen: ein dauerhaftes ausreichendes Einkommen, qualitativ hochstehende
Bildung, anständige Unterkunft, Berufsausbildung, sinnvolle Anstellungschancen,
angemessene medizinische und klinische Versorgung und die Humanisierung und
radikale Überprüfung von sozialen Hilfsmassnahmen. Zumal niedrige Löhne oft eine
Ursache der Armut sind, sollten Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern einen Lohn
zahlen, der diese für ihren Lebensunterhalt nicht von staatlichen
Unterstützungen wie z.B. Lebensmittelmarken oder Sozialhilfe abhängig sein
lässt.
F) Migranten als Arbeitnehmer:
Migranten und andere landwirtschaftliche
Hilfskräfte, die schon seit langem für den Dienst der Kirche ein besonderes
Anliegen darstellen, sind durch ihre Lebensweise an sich von vielen
wirtschaftlichen und sozialen Vorzügen ausgeschlossen, in deren Genuss andere
Arbeiter kommen. Die Lage vieler Migranten wird dadurch zusätzlich
verschlimmert, dass sie Personen aus anderen Ethnien und Kulturen sind, die in
der Gesellschaft von zahlreichen anderen Ungerechtigkeiten bedrängt werden. Wir
setzen uns für die Rechte aller Migranten ein und begrüssen ihre Bemühungen
hinsichtlich einer verantwortlichen Selbstorganisation und Selbstbestimmung. Wir
rufen die Regierungen und alle Arbeitnehmer dazu auf, sicherzustellen, dass
Migranten dieselben Vorzüge in Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft erhalten wie
alle anderen Bürger. Wir rufen unsere Gemeinden auf, danach zu trachten,
Programme für solche Migranten zu entwickeln, die in ihren Bezirk kommen, und
ihre Bemühungen, sich für Tarifverhandlungen zu organisieren, zu unterstützen.
G) Glücksspiele:
Glücksspiele sind eine Bedrohung für die
Gesellschaft, mit tödlicher Wirkung auf die besten Absichten im moralischen,
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geistlichen Leben und zerstörerisch für
eine gute Regierung. Als ein Akt des Glaubens und der Sorge sollten Christen
sich Glücksspielen fernhalten und danach trachten, den Menschen zu dienen, die
Opfer dieser Handlungsweise geworden sind. Wo das Spielen zur Sucht geworden
ist, wird die Kirche solche Personen dazu ermutigen, sich therapeutische Hilfe
zu suchen, damit die Energie des Menschen neu auf positive und konstruktive
Ziele hin ausgerichtet werden kann. Die Kirche sollte Normen und einen
persönlichen Lebensstil fördern, der die Zuflucht in kommerzielle Glücksspiele
einschliesslich der öffentlichen Lotterie - als Freizeitbeschäftigung, Flucht
oder ein Mittel, staatliche Einkünfte oder Mittel für die Unterstützung von
Hilfsorganisationen oder des Staates zu schaffen, unnötig und nicht
wünschenswert macht.
H) Landwirtschaftliche Familienbetriebe:
Der Wert landwirtschaftlicher
Familienbetriebe steht seit langem als bedeutende Grundlage für eine freie und
demokratische Gesellschaft fest. In den letzten Jahren wird das Überleben
selbstständiger Bauern weltweit von verschiedenen Faktoren bedroht,
einschliesslich der steigenden Konzentration aller Phasen der Landwirtschaft in
die Hände einer begrenzten Zahl transnationaler Unternehmen. Die Konzentration
der Nahrungsversorgung für viele in die Hände dieser wenigen stellt globale
Fragen nach der Gerechtigkeit, die nach Wachsamkeit und Aktion rufen.
Wir rufen den Sektor der Agrarwirtschaft
dazu auf, mit Respekt für die Menschenrechte zu handeln, in erster Linie in der
verantwortlichen Haushalterschaft für das tägliche Brot für die Weit, und in
zweiter Linie als verantwortliche Staatsbürger, die das Recht aller Bauern
respektieren, seien es grosse oder kleine - aus ehrlicher Arbeit einen fairen
Ertrag zu gewinnen. Wir sprechen uns für die Rechte der Menschen aus, Eigentum
zu besitzen und sich durch die Bebauung des Landes ihren Lebensunterhalt zu
verdienen. Wir rufen unsere Gemeinden dazu auf, alles in ihrer Kraft Stehende zu
tun, um prophetisch in die Belange der Nahrungsmittelversorgung und der Menschen
hineinzusprechen, die Nahrung für die Welt anbauen.
I) Verantwortung von Wirtschaftsunternehmen:
Unternehmen sind nicht nur ihren
Aktionären verpflichtet, sondern auch anderen Beteiligten: ihren Arbeitnehmern,
Lieferanten, Händlern, Konsumenten, der Umgebung, in der sie Handel treiben, und
der Erde, die sie trägt. Wir unterstützen das Recht der Öffentlichkeit, zu
wissen, welchen Einfluss Unternehmen auf diesen unterschiedlichen Plattformen
haben, damit die Menschen ausreichend Informationen haben, um Entscheidungen
darüber treffen zu können, welche Unternehmen sie unterstützen wollen. Wir
begrüssen Unternehmen, die sich freiwillig Normen verpflichten, die das
Wohlergehen der Menschen fördern und die Umwelt schützen.
J) Handel und lnvestitionen:
Wir bejahen die Wichtigkeit des
internationalen Handels und Investierens in einer Welt voller gegenseitiger
Abhängigkeiten. Handel und Investitionen sollten auf Regeln basieren, die den
Wert des Menschen, eine saubere Umwelt und unser gemeinsames Menschsein achten.
Handelsabkommen müssen Mechanismen mit einschliessen, die bewirken, dass das
Arbeitsrecht und die Menschenrechte genauso wie ökologische Normen eingehalten
werden. Die breite Fürsprache in der Bevölkerung und die Teilnahme an
Handelsvereinbarungen müssen durch demokratische Mechanismen der Konsultation
und Partizipation gesichert werden.
164. V. Die Politische Gemeinschaft
Während unsere Treue und Loyalität Gott
gegenüber Vorrang hat vor unserer derjenigen gegenüber irgendeinem Staat,
erkennen wir dennoch die lebenswichtige Funktion der Regierung als wichtigstes
Vehikel für die Ordnung in der Gesellschaft an. Weil wir uns selbst Gott
gegenüber für das gesellschaftliche und politische Leben verantwortlich wissen,
erklären wir hinsichtlich der Regierungen Folgendes:
A) Grundrechte und Menschenrechte:
Wir halten Regierungen verantwortlich
für den Schutz der Rechte der Menschen auf freie und gerechte Wahlen und die
Freiheit der Meinungsäusserung, die Religionsfreiheit, die Versammlungsfreiheit,
die Freiheit in den Kommunikationsmedien und im Ersuchen um Rechtshilfe bei
Klagen ohne Angst vor Repressalien; auf das Recht auf den Schutz der
Privatsphäre; und auf die Garantie der Rechte auf angemessene Nahrung, Kleidung,
Obdach, Bildung und Gesundheitsfürsorge. Die Form und die führenden Amtsträger
aller Regierungen sollten durch das Ausüben des Wahlrechts, das allen
erwachsenen 'Staatsbürgern garantiert ist, entschieden werden. Wir lehnen
ausserdem mit allen Kräften die häusliche Überwachung und Einschüchterung
politischer Opponenten durch Regierungen ab, die an der Macht sind, wie auch
alle anderen Missbräuche von Ämtern bei Wahlen oder Ernennungen in hohe Ämter.
Der Einsatz von Hausarrest und Gefängnis zum Zweck der Schikanierung und
Elimination politischer Opponenten oder anderer Dissidenten verletzt menschliche
Grundrechte. Darüber hinaus verletzt die Misshandlung oder Folter von Menschen
durch Regierungen zu jeglichem Zweck die christliche Lehre und muss von Christen
und Kirchen verurteilt und/oder bekämpft werden, wo und wann auch immer sie sich
ereignet.
Die Kirche betrachtet die Institution
der Sklaverei als ein schändliches Übel. Alle Formen der Versklavung sind
absolut verboten und sollen auf keinerlei Weise durch die Kirche geduldet
werden.
B) Politische Verantwortung:
Die Stärke eines politischen Systems
hängt von der vollen und bereitwilligen Beteiligung seiner Bürger ab. Die Kirche
soll kontinuierlich einen starken ethischen Einfluss auf den Staat ausüben und
eine Politik und Massnahmen unterstützen, die als gerecht betrachtet werden, und
eine Politik und Massnahmen, die ungerecht sind, bekämpfen.
C) Beziehung von Kirche und Staat:
Die United Methodist Church
unterstützt seit vielen Jahren die Trennung von Kirche und Staat. In manchen
Teilen der Welt hat diese Trennung die Vielfalt religiöser Ausdrucksformen und
die Freiheit garantiert, Gott gemäss dem Gewissen jeder einzelnen Person
anzubeten. Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet keine organische Einheit
der beiden, erlaubt aber durchaus die Interaktion. Der Staat sollte nicht seine
Autorität dazu einsetzen, bestimmte religiöse Überzeugungen (einschliesslich den
Atheismus) zu fördern, auch sollte er in den öffentlichen Schulen kein Gebet und
keinen Gottesdienst zur Pflicht machen, sondern sollte den Schülern die Freiheit
lassen, ihre eigenen religiösen Überzeugungen zu leben. Wir glauben, dass der
Staat nicht versuchen soll, die Kirche zu kontrollieren, genauso wenig sollte
die Kirche danach streben, den Staat zu dominieren. Die rechtmässige und
lebenswichtige Trennung von Kirche und Staat, die der Sache der
Religionsfreiheit gedient hat, soll nicht als die Abschaffung aller religiösen
Ausdrucksformen aus dem öffentlichen Leben missverstanden werden.
D) Informationsfreiheit:
Bürger aller Länder sollen Zugang zu
allen wichtigen Informationen über ihre Regierung und deren Politik haben.
Illegale und gewissenlose Aktivitäten, die von der eigenen Regierung gegen
Personen oder Gruppen gerichtet sind, dürfen nicht gerechtfertigt oder geheim
gehalten werden, auch nicht unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit.
E) Bildung:
Wir glauben, dass jede Person das Recht
auf Bildung hat. Wir glauben auch, dass die Verantwortung für die Bildung der
Jugend bei der Familie, den Glaubensgemeinschaften und der Regierung liegt. In
der Gesellschaft lässt sich diese Funktion am besten durch öffentliche
Massnahmen erfüllen, die für alle Menschen den Zugang zu freien öffentlichen
Grundschulen und weiterführenden Schulen und zu Oberstufenschulen ihrer eigenen
Wahl sicher stellen. Personen sollen nicht durch finanzielle Hindernisse vom
Zugang zu kirchlichen und anderen unabhängigen höheren Bildungseinrichtungen
ausgeschlossen werden. Wir bejahen das Existenzrecht öffentlicher und
unabhängiger Schulen und Universitäten, und wir fördern staatliche Massnahmen,
die den Zugang und die Wahlmöglichkeiten sichern und die keine
verfassungswidrigen Verwicklungen zwischen Kirche und Staat schaffen.
F) Ziviler Gehorsam und ziviler Ungehorsam:
Regierungen und Gesetze sollten Diener
Gottes und der Menschen sein. Staatsbürger haben die Pflicht, sich an Gesetze zu
halten, die von der Regierung in einem verfassungsgemässen und gerechten Prozess
vorschriftsmässig eingeführt wurden. Aber Regierungen unterliegen nicht weniger
als Einzelpersonen dem Gericht Gottes. Deshalb erkennen wir das Recht der
Einzelperson auf eine abweichende Meinung an, wenn sie mit befangenem Gewissen
handelt und, nachdem alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft sind, erkennen wir das
Recht einer solchen Person an, sich Gesetzen, die ihr ungerecht zu sein scheinen
oder die willkürlich gehandhabt werden, zu widersetzen oder diese nicht zu
befolgen. Aber auch dann soll durch den Verzicht auf Gewaltanwendung und durch
die Bereitschaft, die Kosten des Ungehorsams zu zahlen, dem Gesetz gegenüber
Respekt erwiesen werden. Wir ermutigen auf keinerlei Weise zu irgendeiner Form
des gewaltsamen Protestes oder der gewaltsamen Aktion gegen alle Personen, die
mit der Abtreibungsfrage zu tun haben, und billigen dies auch nicht. Unsere
Gebete gelten den Menschen in rechtmässigen Machtpositionen, die der
Allgemeinheit dienen, und wir unterstützen deren Bemühungen, unter allen
Menschen Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu wahren. Wir verteidigen die
Pflicht der Kirchen, Personen zu unterstützen, die aufgrund ihrer
Gewissenshaltung leiden, welche sich in gewaltlosen Ansichten oder
Handlungsweisen zeigt. Wir drängen die Regierungen, die Bürgerrechte, wie sie
durch den Internationalen Bund für Bürgerrechte und politische Rechte definiert
wurden, diesen Personen zuzusichern, die aufgrund dieser gewaltlosen Akte in
Konflikt mit dem jeweiligen Landesgesetz geraten.
G) Todesstrafe:
Wir glauben, dass die Todesstrafe die
Kraft Christi, alle Menschen zu erlösen, zu erneuern und umzugestalten,
verleugnet. Die United Methodist Church ist über die Verbrechen in aller
Welt und den Wert eines jeden Lebens, das durch Mord oder Totschlag endet,
zutiefst betroffen. Wir glauben, dass alles menschliche Leben heilig und von
Gott geschaffen ist und dass wir deshalb alles menschliche Leben als bedeutend
und wertvoll betrachten müssen. Wenn Regierungen die Todesstrafe anwenden, dann
wird das Leben des Verurteilten seines Wertes und jeder Möglichkeit zur
Veränderung beraubt. Wir glauben an die Auferstehung Jesu Christi und daran,
dass die Busse die Versöhnung mit Christus ermöglicht. Dieses Geschenk der
Versöhnung wird allen Personen unterschiedslos angeboten und verleiht allem
Leben neue Würde und Heiligkeit. Aus diesem Grund lehnen wir die Todesstrafe ab
und drängen auf ihre Entfernung aus allen Strafgesetzbüchern.
H) Strafrecht und heilende Gerechtigkeit:
Um alle Menschen vor Übergriffen auf
ihre persönlichen Rechte und Eigentumsrechte zu schützen, haben Regierungen
Mechanismen der Gesetzesvollstreckung und Gerichtsbarkeit eingeführt. Eine lange
Reihe von Strafmassnahmen dient dazu, gesellschaftliche Empörung zu äussern,
gefährliche Verbrecher ausser Gefecht zu setzen, potentielle Verbrecher
abzuschrecken und Möglichkeiten der Rehabilitation anzubieten. Wir unterstützen
staatliche Massnahmen, die zum Ziel haben, Verbrechen zu vermindern und aus der
Welt zu schaffen, und die der Achtung vor der grundlegenden Freiheit für alle
Menschen Rechnung tragen.
Wir lehnen jeden Missbrauch dieser
Mechanismen ab, einschliesslich deren Einsatz zum Ziel der Rache oder der
Verfolgung oder Einschüchterung der Menschen, deren Rasse, Erscheinung,
Lebensstil, wirtschaftliche Situation oder Glaubensüberzeugungen sich von denen
der Machthaber unterscheiden. Wir lehnen jede nachlässige, unsensible oder
diskriminierende Anwendung des Gesetzes ab, die allen nicht der Landessprache
mächtigen
Personen und Personen mit Behinderungen Gerechtigkeit vorenthält. Weiterhin
unterstützen wir Massnahmen, die zum Ziel haben, die sozialen Bedingungen zu
verändern, die zu Verbrechen führen, und wir ermutigen zur kontinuierlichen
positiven Interaktion zwischen Staatsbeamten als Ausführenden des Gesetzes und
Mitgliedern der Gesamtgesellschaft.
In der Liebe Christi, der gekommen ist,
um die zu retten, die verloren und verletzlich sind, drängen wir auf die
Schaffung eines gänzlich neuen Systems zur Fürsorge und Wiederherstellung von
Opfern, Tätern, Justizbeamten und der Gesamtgesellschaft. Restaurative
Gerechtigkeit entspringt der biblischen Autorität die eine rechte Beziehung zu
Gott, zu sich selbst und zum sozialen Umfeld betont. Wenn eine solche Beziehung
durch ein Verbrechen verletzt oder zerbrochen wird, werden Gelegenheiten zur
Wiedergutmachung geschaffen.
Die meisten Strafrechtssysteme auf der
Welt basieren auf dem Gedanken der Vergeltung. Diese vergeltenden Rechtssysteme
ziehen den Verbrecher dem Staat gegenüber zur Verantwortung und setzen Strafe
als das ausgleichende Werkzeug für Verantwortlichkeit ein. Im Gegensatz dazu
strebt die restaurative Gerechtigkeit danach, den Täter gegenüber dem Opfer und
der gestörten sozialen Gemeinschaft zur Verantwortung zu ziehen. Durch Gottes
erneuernde Kraft strebt die heilende Gerechtigkeit danach, den Schaden wieder
gut zu machen, das Übel zu beheben und allen Beteiligten, einschliesslich dem
Opfer, dem Täter, den Familien und der Gemeinschaft Heilung zu bringen. Die
Kirche wird umgewandelt werden, wenn sie auf den Anspruch der Nachfolge so
reagiert, dass sie ein Agent der Heilung und des systemischen Wandels wird.
I) Militärdienst:
Wir missbilligen den Krieg und drängen
auf die friedliche Beilegung aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Nationen.
Schon seit Anfang an kämpft das christliche Gewissen mit den krassen Realitäten
der Gewalt und des Krieges, denn diese Übel durchkreuzen deutlich Gottes
liebevolle Absichten für die Menschheit. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem es
keinen Krieg mehr geben wird und an dem die Menschen in Frieden und
Gerechtigkeit zusammenleben werden. Manche von uns glauben, dass Krieg und
andere gewalttätige Akte für Christen nie akzeptabel sind. Wir erkennen auch an,
dass viele Christen glauben, dass in dem Fall, dass friedliche Lösungsansätze
versagt haben, der Einsatz von Waffen zu bedauern ist, aber der ungehinderten
Aggression, der Tyrannei und dem Völkermord vorzuziehen ist. Wir ehren das
Zeugnis der Pazifisten, die nicht zulassen werden, dass wir in den Fragen des
Krieges und der Gewalt selbstzufrieden werden. Auch respektieren wir diejenigen,
die den Einsatz von Gewalt gutheissen, jedoch nur in extremen Situationen und
nur dann, wenn der Bedarf deutlich über alle vernünftigen Zweifel erhaben ist,
und durch passende internationale Eingreiftruppen. Wir drängen auf die
Durchsetzung des Rechts als Leitgedanken in internationalen Angelegenheiten als
ein Mittel, in diesen Angelegenheiten Krieg, Gewalt und Zwang abzuschaffen.
Wir lehnen eine nationale Politik des
erzwungenen Militärdienstes als unvereinbar mit dem Evangelium ab. Wir erkennen
die quälende Spannung an, die der Bedarf an Militärdienst für die nationalen
Regierungen schafft. Wir drängen alle jungen Erwachsenen, im Finden einer
bewussten Entscheidung bezüglich des Wesens ihrer Bürgerverantwortung den Rat
der Kirche zu suchen. Pastoren sind aufgerufen, allen jungen Erwachsenen, die
mit der Wehrpflicht konfrontiert sind, als Berater zur Verfügung zu stehen,
einschliesslich denjenigen, die sich bewusst weigern, mit einem System der
Wehrpflicht zu kooperieren.
Wir unterstützen den Dienst der Kirche
und dessen Ausweitung auf die Menschen, die bewusst den Krieg an sich oder einen
bestimmten Krieg ablehnen und die sich deshalb weigern, in der Armee zu dienen
oder mit einem System der militärischen Wehrpflicht zu kooperieren. Wir
unterstützen auch die Ausweitung des Dienstes der Kirche auf diejenigen, die
sich bewusst dazu entschliessen, in der Armee zu dienen oder Ersatzdienst zu
leisten. Als Christen sind wir uns bewusst, dass weder der Weg des militärischen
Handelns noch der Weg des Nichthandeins immer vor Gott gerecht ist.
165. VI. Die Weltgemeinschaft
Gottes Welt ist eine Welt. Die Einheit
die uns heute durch die technische Revolution aufgedrängt wird, hat unsere
moralischen und geistlichen Kapazitäten, eine stabile Weltordnung zu erreichen,
bei weitem überholt. Die erzwungene Einheit der Menschheit, die sich immer mehr
auf allen Ebenen des Lebens zeigt, stellt die Kirche wie auch die Menschen vor
Probleme, deren Beantwortung keinen Aufschub duldet: Ungerechtigkeit, Krieg,
Ausbeutung, Privilegien, Bevölkerung, die internationale ökologische Krise, die
starke Vermehrung nuklearer Waffenarsenale, die Entwicklung von transnationalen
Wirtschaftsunternehmen, die sich jeglicher effektiven Kontrolle durch eine
staatliche Struktur entziehen, und das Zunehmen der Gewaltherrschaft in all
ihren unterschiedlichen Formen. Die gegenwärtige Generation muss gangbare
Antworten auf diese und diesen verwandte Fragen finden, wenn die Menschheit
weiter auf dieser Erde existieren soll, Wir als Kirche verpflichten uns der
Schaffung einer Weltgemeinschaft, die eine Gemeinschaft von Menschen ist die
einander aufrichtig lieben. Wir geloben, nach der Bedeutung des Evangeliums für
alle Aspekte zu suchen, die Menschen trennen und das Wachstum der
Weltgemeinschaft gefährden.
A) Nationen und Kulturen:
So, wie Gott einzelne Personen in ihrer
Vielfalt bestätigt, so tut er das auch mit Nationen und Kulturen. Wir erkennen
an, dass keine Nation oder Kultur in der Behandlung ihrer eigenen Leute absolut
gerecht und richtig handelt, noch dass es eine Nation gibt, die sich überhaupt
nicht um das Wohlergehen ihrer Bürger kümmert. Die Kirche muss die einzelnen
Staaten als verantwortlich für die ungerechte Behandlung ihrer Bürger und
anderer Menschen, die innerhalb ihrer Grenzen leben, ansehen. Während wir
einerseits in der Kultur und politischen Philosophie einer jeden Nation
berechtigte Unterschiede anerkennen, bestehen wir andererseits auf Gerechtigkeit
und Frieden in jeder Nation.
B) Nationale Macht und Verantwortung:
Manche Nationen besitzen mehr
militärische und wirtschaftliche Kraft als andere. Auf den Starken ruht die
Verantwortung, ihren Reichtum und Einfluss mit Zurückhaltung anzuwenden. Wir
bejahen das Recht und die Pflicht der Angehörigen einer jeden Nation, ihre
Geschicke selbst zu bestimmen. Wir drängen die grossen politischen Mächte, ihre
gewaltfreie Macht dazu zu nutzen, die politische, soziale und wirtschaftliche
Selbstbestimmung anderer Nationen zu maximieren, anstatt ihre eigenen besonderen
Interessen zu verfolgen. Wir begrüssen internationale Bemühungen zur Entwicklung
einer gerechteren Wirtschaftsordnung, in der die begrenzten Ressourcen der Erde
zum maximalen Nutzen aller Nationen und Völker eingesetzt werden. Wir drängen
die Christen in jeder Gesellschaft, die Regierungen, unter denen sie leben, und
die wirtschaftlichen Grössen innerhalb ihrer Gesellschaft zu ermutigen, die
Entwicklung einer gerechteren Wirtschaftsordnung zu unterstützen und darauf
hinzuarbeiten.
C) Krieg und Frieden:
Wir glauben, dass der Krieg mit den
Lehren und dem Beispiel Christi unvereinbar ist. Deshalb lehnen wir Krieg als
Mittel der nationalen Aussenpolitik ab und meinen, dass Krieg nur als letzter
Ausweg in der Prävention solcher Übel wie Völkermord, brutale Unterdrückung der
Menschenrechte und unprovozierter internationaler Aggression eingesetzt werden
darf. Wir bestehen darauf, dass es die erste moralische Pflicht aller Nationen
ist, jeden Disput, der innerhalb einer Nation oder zwischen Nationen entsteht,
mit friedlichen Mitteln zu lösen; dass in der Festlegung der Prioritäten für die
Regierungen menschliche Werte schwerer wiegen müssen als militärische Ansprüche;
dass die Militarisierung einer Gesellschaft in Frage gestellt und gestoppt
werden muss; dass die Herstellung, der Verkauf und die Verteilung von Waffen
eingeschränkt und kontrolliert werden müssen; und dass die Herstellung, der
Besitz oder der Einsatz von Atomwaffen geächtet werden muss. Folglich stellen
wir uns hinter die allgemeine und vollständige Abrüstung unter strenger und
effektiver internationaler Kontrolle.
D) Recht und Gerechtigkeit:
Menschen und Menschengruppen müssen sich
in ihrem Leben und ihrem Recht, in einer Gesellschaft zu leben, sicher fühlen,
wenn eine Ordnung durch das Gesetz erreicht und erhalten werden soll. Wir
er-achten eine Ordnung des Lebens, die Ungerechtigkeit auf ewig festschreibt,
als unmoralisch. Auch die Nationen müssen sich in der Welt sicher fühlen, wenn
die Weltgemeinschaft Wirklichkeit werden soll.
Im Glauben daran, dass für
internationale Gerechtigkeit die Beteiligung aller Völker notwendig ist, stellen
wir uns hinter die Vereinten Nationen, deren verwandte Organisationen und den
Internationalen Gerichtshof als die besten heute existierenden Instrumente, um
eine Welt des Rechts und der Gerechtigkeit zu schaffen. Wir begrüssen die
Bemühungen aller Menschen in allen Ländern, die auf dem Wege des Gesetzes den
Weltfrieden anstreben. Wir begrüssen internationale Hilfsprojekte und
Kooperationen in allen Belangen des Mangels und des Konflikts. Wir drängen auf
die Aufnahme aller Nationen in die Vereinten Nationen, die eine Mitgliedschaft
wünschen und die die Verantwortung gegenüber den Vereinten Nationen zu tragen
bereit sind. Wir drängen die Vereinten Nationen, in der Entwicklung von
internationalen Schlichtungsprozessen in Disputen und offenen Konflikten
zwischen Nationen durch die Einführung des Schlichtungszwangs durch eine dritte
Partie eine aggressivere Rolle einzunehmen. Bilaterale und multilaterale
Bemühungen ausserhalb der Vereinten Nationen sollten im Rahmen derer Ziele und
nicht gegenläufig dazu verlaufen. Wir bekräftigen von neuem unser geschichtlich
gewachsenes Anliegen für die Welt als unseren Gemeindebezirk und streben für
alle Menschen und Völker nach einer vollen und gleichberechtigten Mitgliedschaft
in einer Weltgemeinschaft, die diesen Namen verdient.
166. VII. Unser Soziales Glaubensbekenntnis
Wir glauben an Gott, den Schöpfer der
Welt, und an Jesus Christus, den Erlöser der Schöpfung. Wir glauben an den
Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben anerkennen, und wir tun Busse von
unserer Sünde, diese Gaben zu götzendienerischen Zwecken missbraucht zu haben.
Wir bejahen die natürliche Welt als
Gottes Werk und widmen uns ihrer Erhaltung, Verbesserung und treuer Verwendung
durch die Menschheit.
Wir nehmen freudig den Segen der
Gemeinschaft, der Sexualität, der Ehe und der Familie für uns und für andere an.
Wir verpflichten uns den Rechten der
Männer, der Frauen, der Kinder, der Jugendlichen, der jungen Erwachsenen, der
Alten und der Behinderten; der Verbesserung der Lebensqualität; und den Rechten
und der Würde aller Menschen.
Wir glauben an das Recht und die Pflicht
aller Menschen, zur Ehre Gottes und zum Nutzen ihrer selbst und für andere zu
arbeiten, und in diesem Tun an den Schutz ihres Wohlergehens; wir glauben an das
Recht auf Eigentum als Treuhänder Gottes, an das Recht auf fairen Lohn und
verantwortungsbewussten Konsum; und wir glauben an die Beseitigung von
wirtschaftlichen und sozialen Missständen. Wir widmen uns dem Frieden in aller
Weit, der Herrschaft des Rechts und der Gerechtigkeit unter allen Völkern und
der individuellen Freiheit für alle Menschen auf der Welt. Wir glauben an den
gegenwärtigen und letztendlichen Triumph von Gottes Wort in menschlichen
Belangen und nehmen freudig unseren Befehl entgegen, das Leben des Evangeliums
in der Welt sichtbar zu machen. Amen.
(Es wird
empfohlen, dass diese Erklärung der Sozialen Grundsätze den Christen in der
United Methodist Church ständig zur Verfügung steht und dass sie regelmässig
in jeder Gemeinde zur Sprache kommt. Darüber hinaus wird empfohlen, dass "Unser
soziales Glaubensbekenntnis" häufig im Sonntagsgottesdienst verwendet wird.)
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